9 von 10 Fleischstücken stammen aus tierschutzwidriger Haltung

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Wer Fleisch kauft, kann damit fast nur Tierleid unterstützen: 88 Prozent des Frischfleischs der Supermarkt-Eigenmarken stammt von Tieren, die qualvoll und häufig sogar tierschutzwidrig gehalten wurden, sagt Greenpeace.

Freiwillige Fleisch-Kennzeichnung mit vier Stufen

Was es für Eier gibt, gibt es für Fleisch noch nicht: eine gesetzlich verpflichtende Kennzeichnung, die darüber aufklärt, aus welcher Haltungsform das gekaufte Produkt stammt. Um den Fleischeinkauf transparenter zu machen, haben letztes Jahr die meisten Supermärkte eine solche Kennzeichnung freiwillig eingeführt. Ähnlich wie bei den Eiern gibt es ein vierstufiges Zahlen-System – verwirrend ist, dass dieses genau andersum funktioniert: 1 steht für den gesetzlichen Mindeststandard „Stallhaltung“, 2 für „Stallhaltung plus“, 3 für „Außenklima“ und 4 für „Premium“.

Es gibt fast kein Fleisch von Tieren, die sich frei bewegen können

Greenpeace hat neun Supermarktketten (Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Kaufland, Edeka, Netto, Rewe, Penny und Real) befragt für welche Fleisch-Produkte sie die Haltungskennzeichnung nutzen und welchen Anteil die jeweiligen Stufen im Angebot ausmachen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bis auf Real kennzeichnen alle Händler die Haltungsform.
  • Lücken in der Kennzeichnung gibt es bei den Frischetheken bei Edeka und Rewe
  • Auf weiterverarbeitetes Fleisch wie Wurstwaren oder Tiefkühl-Produkte findet sich bei keinem Händler eine Haltungskennzeichnung.
  • Nur eins von zehn Frischfleisch-Produkten der Supermarkt-Eigenmarken (88 Prozent) stammt nicht aus Stallhaltung der Stufe 1 oder 2. Das Schweinefleisch der Supermarkt-Eigenmarken zum Beispiel stammt zu 87,5 Prozent aus der schlechtesten Haltungsform und nur zu 2,2 Prozent aus der besten (unter die auch Bio-Fleisch fällt). Die ersten beiden Stufen verstoßen laut Greenpeace häufig gegen das Tierschutzgesetz; Stufe 3 „Außenklima“ ist so definiert: „Gewährt Tieren zusätzlich mehr Platz als Stufe 2, Tiere werden gentechnikfrei gefüttert und haben Zugang zu Außenklimabereichen“ – wobei Außenklima keineswegs bedeutet, dass die Tiere sich frei an der frischen Luft bewegen können, sondern schon ein geöffnetes Fenster im Stall reicht.
  • Lidl hat angekündigt, Fleisch aus Haltungsform 1 in Zukunft nicht mehr zu verkaufen (Schwein bis 2022, Rind bis 2025). Auch Rewe, Aldi und Penny wollen das, haben aber nicht angegeben bis wann. Edeka und Netto hingegen wollen weiterhin Fleisch aus der schlechtesten Haltungsstufe anbieten.
  • Bei Geflügelfleisch bieten fast alle Händler bereits fast ausschließlich Stufe 2 an.
  • In der Gesamtwertung, was Kennzeichnung und Angebot betrifft, schnitt Kaufland am besten ab; es folgen Aldi, Lidl, Penny und Rewe in der Mitte und dann Netto, Edeka und Real ganz unten.

Viel Billigfleisch, wenig Tierschutz

Die Haltungskennzeichnung reicht nicht aus, um die Tierhaltung in Deutschland zu verbessern, kritisiert Greenpeace. Denn der Handel setze weiterhin auf Billigfleisch statt Tierschutz. Unter Billigfleischkonsum leiden nicht nur die Tiere, sondern auch deren und unsere Gesundheit, Umwelt und Bauern. Greenpeace fordert daher den Handel auf, Fleisch aus tierschutzwidriger und umweltschädlicher Billigfleisch-Produktion mit einer klaren Zeitangabe aus dem Sortiment zu nehmen. Zudem solle Fleisch aus besserer Tierhaltung (Haltungsform 3 und 4) für alle und überall verfügbar sein und der Handel aktiv über die Folgen der Billigfleisch-Produktion aufklären und die Werbung für Billigfleisch einstellen.

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