Deutsches Krankenhaus-Essen in der Kritik

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Nahrung heilt. Eigentlich sollte das gerade in Krankenhäusern bekannt sein. Wer jedoch schon einmal in Deutschland einen stationären Krankenhausaufenthalt über sich ergehen lassen musste, weiß, dass man dort selten gesundes Essen serviert bekommt.

Gesunde Ernährung wichtig für Heilungsprozess

Weißbrot, Scheibenkäse, viel Fleisch, wenig Gemüse und Obst. So lässt sich vielerorts der Klinik-Spieseplan zusammenfassen. Ein Unding, findet Christian Löser von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM): „Das Essen ist genauso wichtig wie die Tabletten, die ich den Patienten verschreibe“, argumentiert er. Auch Margret Morlo vom Verband für Ernährung Diätetik (VFED) kritisiert, dass es in vielen Krankenhäusern unmöglich sei, sich gesund zu ernähren. Selbst, wenn Menschen privat auf ihre Ernährung achten, gelinge es selten dies bei einem stationären Aufenthalt fortzuführen. Dabei sollten gerade Krankenhäuser Wert auf Nahrhafte und gesundheitsfördernde Speisen legen, um den Heilungsprozess ihrer Patienten zu unterstützten. Löser erläutert, dass gut ernährte Patienten schneller genesen und bei ihnen auch deutlich weniger Komplikationen auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat sogar Qualitätsstandards für die Verpflegung von Krankenhäusern entwickelt, die aber vielerorts nicht umgesetzt werden.

Wo (k)ein Wille, da ein (weiter) Weg

Faktisch wird eher auf die Ausgaben geschaut, als auf die Nährwerte. Fünf Euro geben Krankenhäuser im Schnitt für Lebensmittel pro Tag und pro Patient aus. Der Gesamtetat pro Tag liegt bei 13 Euro. Das ist für die Krankenhaus-Küchen, deren Ausstattung und für die Qualität des dort zubereiteten Essens verheerend. Teilweise lassen Kliniken ihr Essen aus Venezuela einfliegen, um so noch mehr Kosten einzusparen. Die Folge sind Mangelernährung und allgemein eine Verschlechterung des Ernährungszustandes bei den Patienten. Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Auch in der Küche der Berliner Klinik Havelhöhe steht nur ein geringer Finanzetat zur Verfügung. Trotzdem bemüht sich Küchenchef Patrick Wodni auf Fertigprodukte zu verzichten und statt dessen Essen in Bio-Qualität und viel frisches Obst und Gemüse zu servieren. Das gelingt ihm nur durch einen strengen Wirtschaftsplan. Unter anderem achtet er auf regionale Zutaten, die aufgrund der kurzen Transportwege einen wirtschaftlichen Vorteil haben. Auch die Reduzierung von Fleisch- und Fischgerichten im wöchentlichen Speiseplan hilft die Kosten zu senken und ist zudem auch einer gesunden Ernährung zuträglich. Zwar ist die Klinik Havelhöhe ein relativ kleines Institut, Wodni ist aber überzeugt: „Man kann auch für 10.000 Menschen gut kochen. Man muss es nur wollen und das Personal haben.“ Wo ein Wille, da ein Weg!

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