Erdnuss-Allergie: Therapie könnte Kindern das Leben retten

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Ein Mädchen mit Erdnussallergie küsst ihren Freund und stirbt anschließend. Er hatte ein Erdnussbutterbrot gegessen. Immer wieder hört man solche Horror-Geschichten. Tatsächlich können schon kleinste Mengen Erdnüsse ausreichen, um bei Allergikern eine heftige bis lebensbedrohliche Reaktion auszulösen. Eine neue Therapie könnte Erdnuss-Allergikern die Angst vor einem versehentlichen Kontakt nehmen.

Die Tücken einer Erdnussallergie

Eins von fünfzig Kindern in Amerika leidet an einer Erdnussallergie. Auch wenn Todesfälle insgesamt selten sind, verursachen Erdnüsse in den USA die meisten allergischen Not- und Todesfälle. Um allergischen Reaktionen vorzubeugen, verzichten viele Allergiker auf alles, was sie auslösen könnte. Denn eine Erdnussallergie ist tückischer als gedacht: Nicht nur Erdnüsse und Lebensmittel oder Gerichte, die Erdnüsse enthalten, führen zu einer allergischen Reaktion. Häufig reichen Spuren von Erdnüssen in anderen Lebensmitteln aus. Sogar der Kontakt mit anderen Menschen, die Erdnüsse gegessen haben, stellt ein Risiko dar. Aus dieser Gefahr speisen sich die Geschichten von jungen Mädchen, die starben, weil ihr Freund ein Erdnussbutterbrot gegessen hat.

Therapie: Langsam die Menge steigern

Bislang gibt es noch keine Möglichkeit eine Überempfindlichkeit gegen Erdnüsse zu behandeln. Nun könnte eine neue Therapie die meisten Patienten aufatmen lassen. Denn sie verspricht die Empfindlichkeit gegenüber Erdnussallergenen herabzusetzen. So könnte sie Allergikern die Angst vor einem versehentlichen Kontakt mit Erdnüssen nehmen. Sie funktioniert ähnlich wie die Therapie von Heuschnupfen: Die Erkrankten werden langsam an das Allergen gewöhnt und entwickeln mit der Zeit eine immer höhere Toleranz. Erfunden hat die Therapie und dessen Medikament AR101, das Erdnussprotein enthält, die Firma Aimmune Therapeutics aus Brisbane.

Eine Studie testete sie nun mit 550 Erdnuss-Allergikern. Angefangen mit einer winzigen Menge von 0,5 mg, bekamen die Allergiker über sechs Monate hinweg immer mehr eines Erdnussproteins verabreicht. Ärzte beobachten, wie sie darauf reagierten, und wenn sich eine Toleranz entwickelte, erhöhten sie die Menge. Nach einem Jahr kam der Härtetest: Die Teilnehmer nahmen 600 mg des Proteins zu sich, was ungefähr der Menge von zwei Erdnüssen entspricht. In der Behandlungsgruppe, die das Protein bekam, bestanden zwei Drittel der Probanden den Test. Die Hälfte konnte sogar 1000 mg zu sich nehmen, ohne stärkere allergische Reaktionen zu entwickeln. In der Kontrollgruppe, die ein Placebo erhielt, vertrugen nur vier Prozent die erste Dosis.

Einschränkungen und Aussichten der Allergie-Therapie

Die Therapie half nur bei Kindern und Jugendlichen. Bei der deutlich kleineren Anzahl Erwachsener, die an der Studie teilnahm, war sie nicht wirksam. Zudem litten fast alle Teilnehmer unter Nebenwirkungen: Vierzehn Prozent der Probanden zeigten mindestens einmal eine schwere allergische Reaktion. Aufgrund der Nebenwirkungen brach jeder Zehnte die Studie vorzeitig ab.

Die Teilnehmer, bei denen die Therapie erfolgreich war, sollten nun kleine Mengen Erdnüsse essen können, ohne allergische Reaktion darauf zu zeigen. Sie sind daher vermutlich geschützt vor den Folgen eines versehentlichen Kontakts mit kleinen Mengen des Allergens, zum Beispiel beim Essen in der Mensa oder Küssen. Das könnte vielen Erdnuss-Allergikern die ständige Angst vor einer allergischen Reaktion nehmen und das Leben erleichtern. Unklar ist jedoch bisher, ob diese Schutzwirkung anhält, wenn das Medikament abgesetzt wird. Das untersuchen die Forscher jetzt in einer Anschlussstudie.

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