Wie ein Minister sein Volk verarscht

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Unser Ernährungsminister Christian Schmidt ist im Laufe seiner Amtszeit nicht wirklich positiv aufgefallen. Seine größten Errungenschaften der letzten vier Jahre sind ein weiteres Landwirtschaftssiegel, das kein Mensch braucht, und eine Diskussion über verpflichtenden Schweinefleischkonsum an deutschen Schulen. Will er auf der Zielgerade jetzt doch noch alles wieder gut machen?

Gesunde Ernährung auf Freiwilligkeit

Der Wahlkampf hat begonnen und von den Leistungen der letzten Jahre kann unser Ernährungsminister nicht zehren. Wenn der Blick nach hinten nicht funktioniert, so bleibt nur die Flucht nach vorne. Wie die aussehen soll, zeigt sich an einem Strategiepapier aus dem Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung.

Unsere Ernährung soll gesünder werden. Die Erkenntnis kommt spät, aber ein paar Monate vor der Wahl fällt sie den Verantwortlichen scheinbar wie Schuppen von den Augen. Man mag es kaum glauben: wir essen zu viel Zucker, Fett und Salz. All das fördert Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dagegen muss jetzt noch ganz schnell etwas getan werden.

Gesetze haben nur einen Nachteil, sie brauchen zu lange. Etwa zwei Jahre dauert es für gewöhnlich, bis ein derartiger Entwurf alle Instanzen erfolgreich durchläuft. Das ist in der derzeitigen Situation allerdings viel zu lange. So bleibt das letzte probate Mittel: Eine freiwillige Selbstverpflichtung!

Luftnummer für das Volk

Die Idee: Die Industrie soll sich aus potentieller Angst vor eventuell aufkommenden späteren Strafen verpflichten freiwillig weniger Salz, Zucker und Fett in unseren industriell erzeugten Lebensmittel zu verwenden. Damit hätte jeder etwas getan, ohne wirklich etwas tun zu müssen. Die Lebensmittelindustrie stellt sich gut hin, weil sie verkündet zukünftig potentiell etwas zu tun, und der Minister darf für sich beanspruchen, dass er andere dazu bewegt hat eventuell später etwas zu tun. Damit für den Falle des dennoch tun Müssens nicht zu viel getan werden muss, wird natürlich festgelegt, dass die Anpassungen der neuen Rezepturen „schrittweise in Form kleinerer, kaum sensorisch bemerkbarer Reduktionen“ erfolgt. Somit merkt auch wenigstens niemand, wenn auf Basis der Freiwilligkeit mal wieder nichts passiert.

Lieber Herr Minister, für wie doof halten sie ihr Volk denn wirklich? Mal unter uns, so auf einer Stufe von eins bis zehn? Schon eher Richtung zweistellig, oder nicht? Ein wirklich angemessenes Mittel, auch jene Menschen, die durch mehr Information nicht erreicht würden, zu erreichen, ist die Lebensmittelampel. Rot steht für schlecht, bitte nicht essen, gelb ist naja geht schon mal und grün kann ich bedenkenlos essen. Das begreift wirklich jeder Depp!

Gegen diese simple Lösung, haben Sie sich aber ja mit aller Macht in den letzten Jahren gewehrt. Jetzt versuchen Sie es mit einer nichts bringenden Luftnummer… In ihrer eigenen Amtszeit müssen sie ja ohnehin nicht mehr dafür gerade stehen, soll ja erst ab Mitte 2018 langsam beginnen.

Bin schon echt gespannt, wo Sie nach Ihrer Amtszeit ihre künftig mit sensorisch kaum bemerkbar weniger Salz gebackenen Brötchen verdienen werden!

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2 Kommentare


  1. Nun, das kann man ja sehen wie man will, doch wenn ich mir das Kaufverhalten von den Menschen anschaue, ist die breite Masse doch leider wirklich zu blind für die Wahrheit. Es werden leider täglich zu viele fettarmen Produkte und Fertigprodukte wie auch Alkohol in viel zu großen Mengen gekauft. In Unwissenheit über die Schädlichkeit dessen, was sie sich dort in den Warenkorb legen, sorgen sie mit ihren sauer verdienten Geld für die Füllung der Geldbörsen der Krankenkassen und der Pharmaindustrie. Leider ist der breiten Masse nicht die schädliche Wirkung von Zucker voll bewusst und schon gar nicht, was sonst noch an Schadstoffen in den Nahrungsmitteln enthalten ist. Fettarme Produkten enthalten z.B. Isoglucose, die viel schädlicher für unseren Körper ist als natürliche Produkte. Isoglucose wird auch als Fructose deklariert und in bestimmten Verbindungen muss es noch nicht einmal auf dem Produkt stehen. Außerdem, wer vermutet schon unter Fructose eine künstlich hergestellte Masse, die billig und süß ist, aber unsere Leber überlastet, da dieses Zeug sogar in Alkohol und Chips enthalten ist.

    Wer wirklich was für seine Gesundheit tun will und etwas wirklich bewirken will und zu einer Veränderung beitragen will, der sollte alle fettarmen Produkte meiden und möglichst beim Bauern direkt Milchprodukte kaufen, wenn man denn auf Milchprodukte nicht vollständig verzichten will. Es gibt viele Bauerhöfe, die einen eigenen Hofladen haben und leckere Dinge anbieten, die gar nicht so teuer sind.

    Generell Fertigprodukte einfach nicht mehr kaufen, das würde wirklich etwas bewegen und verändern und das Beste dabei ist, das die Menschen, die dies so machen, wirklich etwas für die eigene Gesundheit tun.


  2. Danke für diesen Artikel.
    Dieser Mensch ist in meinen Augen die Inkompetenz in Person. Wir können ja noch 25 Tausend nichtssagende Siegel auf den Verpackungen drucken und Kampagnen, die nur auf den Endverbraucher abzielen (und meistens sowieso im Sande verlaufen), ins Leben rufen.
    Unfassbar, dass ein Bereich wo so viele Änderungen nötig wären, dermaßen stiefmütterlich behandelt und mit einer Person besetzt wird, dessen Entscheidungsbereich noch unter der einer Strohpuppe anzusiedeln ist. Selbst wenn nachweislich Tierquälerei vor liegt, wiegelt dieser Mann noch ab… im Sinne von „ihr habt eure Fakten, ich hab meine Meinung“. Ich möchte nicht wissen wie viel Herr Schmidt für sein Nichtstun bekommt.
    Dass dieser Ministerposten an eine Person aus einer derart konservativen Partei vergeben wurde, zeigt den Stellenwert im gesamtpolitischen Bild. Deutschland ist noch nicht so weit… Leider.
    Wozu gibt es diesen Ministerposten, wenn dort nichts passiert? Um alles auf den Endverbraucher abzuwälzen, brauchen wir keine Politiker.

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