Estragon anbauen – säen, pflanzen und ernten

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Estragon wird unter Feinschmeckern hochgeschätzt und ist nach wie vor ein unentbehrliches Gewürz für die französische Küche, ganz besonders für die typische Sauce Béarnaise. Vielen Hobbyköchen ist das Kraut aber längst unbekannt geworden. Woran liegt das? Hauptgrund ist die Sortenwahl beim Anbau. Estragon, wie wir ihn heutzutage im Supermarkt kaufen können, enthält nur noch wenig Aroma. Wir zeigen dir, wie du dieses traditionelle Gewürz in deiner Küche wieder aufleben lassen kannst. Denn mit etwas Sortenkenntnis und dem richtigen Umgang beim Säen und Pflanzen kannst du Estragon ganz einfach selbst anbauen.

Bevor wir uns allerdings an die Gartenarbeit machen, stellen wir dir zunächst die drei wichtigsten Estragon Sorten und deren Eigenschaften vor.

Estragon Sorten

Estragon gibt es in drei Sorten: der Russische/Sibirische Estragon, der Deutsche Estragon und der Französische Estragon. Jede Sorte hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, die man vor dem Kauf des Saatguts bzw. der Pflanze kennen sollte:

Russischer/Sibirischer Estragon (Artemisia dracunculus var. Inodora):

  • Wenig Aroma, da nur 0,1% ätherische Öle
  • Winterhart bis -10°C
  • Bildet Blüten und Samen aus
  • Pflegeleicht und einfach anzubauen

Handelsüblicher Estragon wird aus der russischen Varietät gewonnen, was auch das schwache Aroma begründet. Vorteil der russischen Sorte ist ihre hohe Frosttoleranz und der unkomplizierte Anbau, da sie sehr pflegeleicht zu ziehen ist. Außerdem entwickelt der Russische Estragon Blüten und Samen aus, kann also bei Bedarf immer wieder vermehrt werden.

Deutscher Estragon (Artemisia dracunculus cv.):

  • mittelstarkes Aroma
  • mäßig winterhart
  • steril
  • anspruchsvoller im Anbau, aber robuster als der Französische Estragon

Der Deutsche Estragon ist an unser Klima angepasst und entsprechend robust, jedoch weniger winterhart als die russische Sorte. Er besitzt ein mittelkräftiges Aroma, das zwischen dem herben Geschmack der russischen Form und dem lieblichen Geschmack der französischen Form liegt. Sein Anbau ist etwas schwerer, dafür wächst der Deutsche Estragon aber recht stark. Leider bekommt man von dieser Sorte nur sterile Jungpflanzen im Handel.

Französischer Estragon (Artemisia dracunculus var. Sativa):

  • starkes Aroma mit bis zu 3% ätherischen Ölen
  • steril
  • frostempfindlich
  • pflegebedürftig und anspruchsvoll im Anbau

Der Französische Estragon ist der Gourmet der drei Sorten, denn seine Blätter enthalten ein sehr starkes, liebliches Aroma, das sich weit von dem Gewürz unterscheidet, das wir typischerweise als Estragon kaufen. Er ist nur als sterile Jungpflanze erhältlich und muss als solche gut gepflegt werden. Vor allem Kälte und Frost machen dem Französischen Estragon zu schaffen, da er das sonnige und warme Klima Südeuropas gewohnt ist. Wenn er jedoch einmal einen kräftigen Wuchs entwickelt hat, wird er über die Zeit robuster.

Russischer Estragon Französischer Deutscher

Ausschließlich der Russische Estragon lässt sich über Samen vermehren, die beiden anderen Sorten werden über Stecklinge reproduziert.

Estragon säen und pflanzen

Der Russische Estragon wird gesät, während die beiden anderen Sorten als Stecklinge gepflanzt werden. Das Saatgut für die russische Sorte erhält man im Fachhandel oder Gartencenter. Bereits ab März kann man sie unter Glas aussäen und vorziehen; einfache Aussaatschalen sind hierfür prima geeignet. Nach dem Eindrücken der Samen wird eine Folie über die Schalen gespannt. An einem vollsonnigen Ort, zum Beispiel auf der Fensterbank, keimen die Samen bereits nach wenigen Tagen. Optional kann man sie auch direkt ins Beet säen, dann aber erst im April.

Der Deutsche und der Französische Estragon werden als Jungpflanzen im Handel angeboten. Besonders letzterer ist im Jungstadium sehr empfindlich gegen Frost, weshalb man die Pflanzen im besten Fall nach den Eisheiligen ins Freiland bringt. Der Deutsche Estragon ist hier etwas robuster und lässt sich auch schon im April pflanzen. Wichtig ist, dass man den Jungpflanzen genügend Abstand gibt und die Erde vorher mit etwas Kompost vermengt, um die nötigen Nährstoffe bereitzustellen.

Alles zum Thema Säen und Pflanzen von Estragon findest du ausführlich in der folgenden Liste:

  • Estragon säen: ab März unter Glas, Direktaussaat ab April
  • Estragon pflanzen: ab April, noch besser im Mai nach den Eisheiligen
  • Standort: sonnig bis halbschattig
  • Optimale Keimtemperatur: 18-25°C
  • Keimdauer: wenige Tage
  • Saattiefe: Samen nur andrücken, da Lichtkeimer
  • Bodenbeschaffenheit: nährstoffreich, humos, locker, mäßig feucht
  • Estragon im Topf: Im Topf oder Kübel gedeiht Estragon am besten in einem Substratgemisch aus Kompost, Sand und Lehm zu gleichen Teilen. Mit etwas Kies oder Steinen am Topfboden ist zusätzlich für eine Wasserdrainage gesorgt. Pro Gefäß sollte man nur eine Pflanze anbauen, kann sie aber mit Kräuternachbarn wie Salbei, Schnittlauch oder Thymian ziehen. Entsprechend groß sollte der Topf allerdings sein (mindestens 10-20 Liter).
  • Estragon als Balkonpflanze: Estragon ist ein geeignetes Kraut für den Balkon, braucht aber dafür einen windgeschützten, sonnigen Standort.
  • Pflanzabstand: 60 x 60 cm
  • Fruchtfolge/Mischkultur: Etwa drei bis vier Jahre lässt sich Estragon ohne Weiteres am gleichen Standort anbauen, danach sollte man jedoch eine Pause von vier bis fünf Jahren einhalten. Gute Nachbarn sind Bohnen, Gurken, Liebstöckel und Spinat. Rote Bete und Petersilie sollte man hingegen nicht in Mischkultur mit Estragon ziehen.

Pflanz-Tipp: Bei der deutschen und französischen Sorte kann es in den ersten Wochen etwas dauern, bis die Pflanzen sich kräftig entwickeln. Damit sie in dieser Zeit nicht kaputt gehen oder schwach bleiben, sollte man sie zwingend vor Unkraut und Schädlingen schützen. Pflanzenschutznetze oder Anzuchtglocken sind hier eine gute Investition.

Estragon Pflege – gießen, düngen und überwintern

Der Pflegeaufwand dieses bemerkenswerten Krautes hängt größtenteils von seiner jeweiligen Sorte ab. Wie schon vorher aufgeführt, ist die russische Varietät eher anspruchslos, während der Französische Estragon viel Aufmerksamkeit fordern kann. Was du beim Gießen, Düngen und Überwintern wissen musst, zeigen dir die folgenden Punkte:

  • Estragon düngen: In der Wachstumszeit zwischen April und Juni kann man das Kraut mit organischem Dünger, zum Beispiel Kompost, versorgen.
  • Estragon gießen: Estragon bevorzugt einen mäßig feuchten Boden, deshalb sollte man ihn ausreichend gießen. Bei zu langer Trockenheit kann es vorkommen, dass die Blätter bitter werden. Besonders der Deutsche und Französische Estragon vertragen längere Trockenperioden nicht sonderlich gut. Beim Gießen solltest du darauf achten, dass die Blätter trocken bleiben und die Pflanzen nur an den Wurzeln bewässert werden.
  • Bodenpflege: Vor allem beim Französischen Estragon sollte man am Anfang regelmäßig Unkraut jäten, da die Pflanze sonst schnell von anderen Kräutern überlagert wird. Außerdem sollte man den Boden alle Zeit lang etwas harken und lockern, um gegen Staunässe vorzubeugen.
  • Estragon überwintern: Ab Spätherbst verliert Estragon sein Laub und bereitet sich so auf die kalte Jahreszeit vor. Alle drei Sorten sollte man vor Wintereinbruch bis wenige Zentimeter über dem Boden kürzen. Estragon im Beet wird zum Beispiel mit Laub, Tannenreisig oder Vlies abgedeckt, um die Wärme im Boden zu halten. Die russische Form ist hierfür besonders prädestiniert, da sie sehr winterhart ist und deshalb prima im Beet ausharren kann. Beim Deutschen und Französischen Estragon ist das Überwintern im Freiland schwieriger, weil sie mit tiefen Temperaturen nicht zurechtkommen. Wer die beiden Sorten im Kübel gepflanzt hat, kann diesen in ein helles Winterquartier tragen (optimal ist hierfür eine Temperatur um die 10°C). Ab spätestens Mai können die Kübel dann wieder ins Freie gebracht werden.
Estragon ernten trocknen

Frischer Estragon aus dem Garten ist deutlich aromatischer, als der getrocknete aus dem Supermarkt.

Estragon ernten und haltbar machen

Zwischen Frühjahr und Winter kann man Estragon beliebig ernten, indem man die Triebspitzen und Blätter abschneidet. Wer regelmäßig die Stängel kürzt, kann so vor allem auch die Ausbildung neuer Seitentriebe fördern. Unmittelbar vor der Blüte enthalten die Blätter das meiste Aroma – wer diese konservieren will, sollte sich den Zeitpunkt also gut merken.

Frischer Estragon lässt sich entweder als Gewürz oder Gemüse zubereiten. Im Kühlschrank ist das Kraut ein paar Tage haltbar, wenn man es in eine Plastiktüte packt. Optional kann man Estragon natürlich auch trocknen oder in Öl einlegen, um ihn länger haltbar zu machen.

Fazit – Estragon anbauen

Estragon ist ein weit unterschätztes Gewürz und sollte in keinem Kräutergarten fehlen. Leider wird bei uns oft nur die russische Sorte angeboten, da diese sehr unkompliziert anzubauen ist, aber geschmacklich nicht wirklich überzeugen kann. Deutlich intensiver im Aroma ist der Deutsche Estragon, der recht robust wächst und auch im heimischen Garten sehr gut kultiviert werden kann. Die „Königssorte“ des Estragon ist die französische Varietät, ein wahres Aromawunder mit sehr lieblichem Geschmack, aber auch mit hohen Ansprüchen in Pflege und Anbau. In jedem Fall lohnt sich das eigene Anbauen von Estragon enorm, denn die frischen Blätter schmecken vollkommen anders als die getrocknete Ware, die man im Supermarkt kaufen kann. Vor dem Säen oder Pflanzen sollte man sich gut überlegen, welche Sorte sich im Garten oder auf dem Balkon ziehen lässt, da jede der drei Varietäten ihre besonderen Vor- und Nachteile aufweist.

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