Landverbrauch von Lebensmittel bedrohen unsere Umwelt

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Zum Anbau von Getreide, Mais, Soja oder Kartoffeln wird eine bestimmte Fläche benötigt. Jede Sorte hat dabei andere Ansprüche an den Boden oder das Klima, so dass bestimmte Sorten eben nicht in jedem Land wachsen. Reis etwa stellt vor allem in den asiatischen Ländern das Hauptnahrungsmittel dar. Bei uns wird im Gegenzug viel Getreide, Kartoffeln oder auch Kohl angebaut. So hat jedes Getreide, Obst oder Gemüse seine favorisierte Klimazone in der es ihm am besten gefällt und wo es folglich die höchsten Erträge abwirft.

Aber wir Menschen möchten nicht nur Getreide, Obst und Gemüse essen, sondern auch Fleisch. Gerade hier in Deutschland brauchen wir sehr viel Fleisch. Grillen ohne Bratwurst und ein Sonntag ohne Braten – undenkbar.

Was bedeutet das für den Flächenverbrauch? Klar, wir brauchen zusätzlich noch Weideflächen für Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Hühner oder Gänse. Um Platz zu sparen, sperren wir unser Essen, wenn das möglich ist, einfach in große Ställe oder Freigehege und können so zusätzlich noch viel günstiger, aber meist nicht artgerecht produzieren. Egal wie man dazu steht, 98 % der deutschen Fleisch- und Wurstwaren stammen aus der Massentierhaltung. Das Märchen von der glücklichen Kuh ist ein Randphänomen oder ein guter Werbeeffekt der Lebensmittelindustrie. Das dies ethische und gesundheitliche Bedenken aufwirft, sei hier nur am Rande erwähnt.

Egal wie platzsparend wir unsere Tiere unterbringen, der Flächenbedarf für Wurst-, Fleisch- und auch Milchprodukte ist trotzdem enorm. Denn all das leckere Essen wird aus Lebewesen gemacht und die müssen genauso wie auch wir Menschen Nahrung zu sich nehmen, um zu wachsen.

Bei tierischen Produkten handelt es sich um veredelte Lebensmittel. Der Gourmet würde wahrscheinlich von hochwertigeren Produkten sprechen, der Umweltschützer argumentiert hier eher etwas anders. Aus vielen pflanzlichen Kalorien werden je nach Tierart wesentlich weniger tierische Kalorien hergestellt. Würden wir weniger oder sogar keine tierischen Produkte mehr essen, dann müsste als Konsequenz auf unserer Erde niemand mehr hungern.

Durch unseren enormen Appetit auf Fleisch, wird in Deutschland bereits deutlich mehr Getreide und Ölsaaten für die Aufzucht von Nutztiere verbraucht, als wir Menschen insgesamt essen.

GetreideTierfutterLebensmittelandere Verwendung
Weizen513514
Körnermais672013
Gerste75025
Hafer68266
Roggen523016

Darstellung nach WWF: Fleisch frisst Land (2014)

ÖlsaatenTierfutterLebensmittelandere Verwendung
Soja79192
Raps67526
Sonnenblumen60400
Palm201070

Darstellung nach WWF: Fleisch frisst Land (2014)

Das Flächenangebot und im Speziellen die landwirtschaftlich nutzbare Fläche ist begrenzt. Fruchtbarer Ackerboden ist ein rares Gut, welches wir viel zu unbedacht verbrauchen. Anstatt sorgsam damit hauszuhalten roden wir lieber kostbaren Regenwald, um die dortigen Böden zu nutzen. Aktuell verlieren wir jedes Jahr etwa 130.000 km² der kostbaren Wälder, was in etwa der Fläche Griechenlands entspricht. Dass dies Folgen nach sich zieht sollte jedem klar sein. Die immergrünen Regenwälder sind nicht nur wichtige Naturbiotope für viele Pflanzen und Tiere, sie sind die Lungen unserer Erde. Hier sind massenhaft CO2 gebunden und es wird ein bedeutender Teil das lebenswichtigen Sauerstoffs produziert. Und zwar nicht nur für die Länder in denen die Wälder verschwinden, sondern für die gesamte Erde – damit sind auch die Folgen global!

Kommen wir zurück zu unserer Ernährung und betrachten ein paar Zahlen und Fakten zum Flächenverbrauch. Es ist immer einfacher sich Sachverhalte vorzustellen, wenn direkte Vergleiche gezogen werden:

  • Würde die deutsche Bevölkerung nur an einem Tag in der Woche auf Fleisch verzichten, könnten bereits 595.000 ha landwirtschaftliche Fläche eingespart werden. Das entspricht mehr als zwei Mal der Fläche des Bundeslands Saarland.
  • Würden alle Deutschen sich dauerhaft an die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung halten und nur 300g bis maximal 600g an Fleisch und Wurst in der Woche zu sich nehmen, wäre der Effekt noch viel größer. Eine Anbaufläche von 1.800.000 ha würde dann weniger benötigt – die Fläche Sachsens.
  • Für die Fleisch- und Wurstproduktion wird viel Soja als Nahrungsmittel für die Tiere genutzt. Bleiben wir bei der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung läge allein die Flächenersparnis für den Sojaanbau bei 826.000 ha. Das entspricht nahezu der Fläche von Berlin.
  • Für die Produktion der in Deutschland nachgefragten Lebensmittel wird mehr landwirtschaftliche Fläche benötigt, als hierzulande vorhanden ist. Wir verbrauchen durch unsere Inlandsnachfrage weitere 6.800.000 ha außerhalb von Deutschland. Bayern als deutlich größtes Bundesland Deutschlands hat im Vergleich 7.055.000 ha.
  • Verantwortlich für den Flächenbedarf außerhalb des Bundesgebietes sind vor allem Futtermittel für die Produktion tierischer Produkte, insbesondere Soja. Das nach Deutschland importierte Soja beziehen wir größtenteils aus Brasilien und Argentinien. Dort wird allein für Deutschland auf etwa 2.500.000 ha Soja angebaut.
  • Weltweit werden für Weideland und den Anbau von Futtermittel rund 80% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche eingenommen. Im Verhältnis zur gesamten (eisfreien) Erdoberfläche sind das 26 %, die ausschließlich für die Viehwirtschaft genutzt werden.

An Hand dieser Beispiele wird deutlich, welche Einsparung an landwirtschaftlicher Nutzfläche möglich wäre, wenn wir unseren Speiseplan anders gestalten würden. Weniger Fleisch und mehr Getreide, Obst und Gemüse sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Das zeigt sich auch im direkten Vergleich zweier typischerweise in Deutschland auf dem Speiseplan stehender Gerichte – Schweinebraten mit Rotkohl und Klößen sowie Nudeln mit Tomatensoße.

Flächenbedarf gesamtdavon Flächenbedarf für Fleisch
Schweinebraten3,122,23
Nudeln mit Tomatensoße0,460,00

Wer auf die richtige Wahl seiner Lebensmittel achtet, kann sich nicht nur gesünder ernähren, sondern auch entscheidend zum Umweltschutz beitragen und der zunehmenden Abholzung unserer Regenwäldern den Kampf ansagen. Eine nachhaltige Ernährung ist die beste Möglichkeit den steigenden Nahrungsbedarf ohne steigenden Flächenbedarf zu gewährleisten.

Würde sich jeder in Deutschland auch nur eine Woche FAIR ernähren, so bräuchten wir etwa 1,6 Mrd. m2 Ackerfläche weniger. Das entspricht der Fläche der beiden größten deutschen Städte, Berlin und Hamburg zusammen.

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