Eltern sind mit schuld an den Essstörungen ihrer Kinder

Gesunde Ernährung / 5/5 (2) für diesen Beitrag

Immer mehr Ernährungsexperten sehen den Grund für falsches Essverhalten zum großen Teil bei den Eltern. Das falsche Angebot und der falsche, zwanghafte Umgang mit Essen fördert ein schlechtes Essverhalten. Ziel muss es hingegen sein, wieder mehr Natürlichkeit ins Essen zu bekommen und weniger darüber nachzudenken.

Statistiken geben einem durchaus zu Denken. Insbesondere bei jungen Mädchen gibt es einen starken Trend zu fehlerhaftem Essverhalten. Unter den 11 bis 13jährigen haben bereits ein Drittel aller Mädchen mindestens einen Diätversuch hinter sich. Bei den über 15jährigen sind es sogar mehr als die Hälfte. Dabei spielt mit Sicherheit ein zunehmendes unnatürlich Körperbild, welches über die sozialen Medien verbreitet wird, eine nicht unbedeutende Rolle. Das natürliche Körperbild gilt inzwischen nicht mehr als Schönheitsideal. Stattdessen gilt ein übermäßig schlankes und sportliches Körpermaß als alleinig ideale Körperform.

Süßes sollte keine Belohnung sein

Die Sozialen Medien sind allerdings nicht die einzige Ursache für Essstörungen bei Jugendlichen. Es sind auch die Eltern, welche zunehmend dafür verantwortlich gemacht werden. Paradox daran ist, dass sich Eltern immer mehr mit Ernährung beschäftigen und die Informationen dazu stetig zunehmen. Die Konsequenz daraus ist allerdings, dass wir verlernen natürlich und instinktgesteuert zu essen und stattdessen Inhaltsstoffe und Kalorien bei der Entscheidung der Mahlzeiten immer stärker in den Fokus geraten.

Daraus resultieren starke Stereotypen: Zucker ist böse und Gemüse gesund! In Folge sollen Kinder viel Gemüse und wenig Schokolade essen. Dem entgegen sind es allerdings Verbote, welche das Essverhalten unnötigerweise prägen. „Erst wenn du dein Gemüse gegessen hast, gibt es auch etwas Süßes“. Diese oder ähnliche Sätze hört man am Essenstisch durchaus häufig. Die Konsequenz daraus ist jedoch, dass dem Kind suggeriert wird, dass Gemüse etwas Schlechtes ist, durch was man sich quälen muss, nur um anschließend an die Belohnung zu gelangen. Die Nachspeise würde wahrscheinlich gar nicht derart als Belohnung aufgewertet, wenn man den Kontrast nicht so deutlich herausstellt.

Mehr Angebot statt Zwang

„Wenn man die Kinder lässt, dann würde es aber immer nur Nudeln mit Tomatensoße geben“ würde das Gegenargument dazu wohl aber lauten. Dazu lässt sich sagen, dass Kinder grundsätzlich einen deutlich gegrenzteres Essverhalten an den Tag legen. Sie müssen erst lernen weitere Lebensmittel zu mögen. Der Geschmack muss sich über die Jahre erst entwickeln. Da sollte jedoch nicht der Zwang das Mittel der Wahl sein, sondern eher das Angebot.

Die „Nudeln mit Soße Phase“ ist ganz normal und geht auch wieder vorbei. Wichtig ist, dass die Eltern ein alternatives Angebot schaffen und dieses abwechslungsreich gestaltet ist. Auch Nudeln mit Soße muss nicht immer dasselbe sein. Denn immer dann, wenn das Kind etwas Neues probiert, besteht die Chance, dass es ihm schmecken wird. Wird der Brokkoli in die Tomatensoße püriert, so fällt er vielleicht gar nicht auf, beeinflusst aber dennoch den Geschmackssinn.

Eltern sind das Vorbild

Halten wir es mit einem Zitat von Karl Valentin. Es lautet sinngemäß: „Du kannst deine Kinder erziehen wie du willst, am Ende machen sie doch alles nach.“ In diesem Satz steckt viel Wahrheit. Denn Kinder orientieren sich auch bei ihrem Essverhalten sehr stark an den Eltern. Wenn Eltern bereits eine zwanghafte Einstellung zum Essen mitbringen, so werden das auch die Kleinen merken und die Chance ist groß, dass sie auch irgendwann verkopft zu essen beginnen.

Genauso verhält es sich mit der Essensritual selbst. Wird der Tisch schön gedeckt und man nimmt sich Zeit zum Essen und genießt dies auch. Tischt dabei aber auch immer wieder gesunde Sachen als Option mit auf, welche von den Eltern auch gut angenommen werden, dann macht das einen ganz anderen Eindruck als die Fertigpizza vor dem Fernseher oder die ewige selbe Ravioli aus der Dose.

Kinder machen lassen

Kinder müssen alles erst lernen und da gehört Essen auch dazu. Das bedeutet aber nicht nur, dass sie Messer und Gabel richtig halten, sondern auch, dass sie sich für die richtigen Nahrungsmittel entscheiden. Wenn das Angebot da ist, dann werden Kinder auch irgendwann zugreifen. Dazu muss man ihnen aber auch die notwendige Zeit und das entsprechende Angebot geben.

Das Essverhalten ändert sich Schritt für Schritt und über Jahre hinweg. Der Weg ist auch nicht geradlinig. Kinder müssen sich selbst an neue Geschmäcker herantasten können. Idealerweise entwickeln sie sogar Spaß daran sich an Neues zu wagen und auszuprobieren. Das passiert aber nicht, wenn man sie dazu zwingt.

Je entspannter und abwechslungsreicher Eltern essen, desto entspannter und abwechslungsreicher wird irgendwann auch das Essverhalten der Kinder sein. Nicht heute, nicht morgen… irgendwann 😉

Letztes Update vom

4 Kommentare


  1. Hallo Daniel,
    du sprichst hier eher von Esslaunen, nicht von Essstörungen. Eine Essstörung ist eine wirklich schwere, komplexe und auch tödliche Krankheit (ca. 15 %), die viele Ursachen hat. Deine Aussagen sind deshalb höchst bedenklich und entsprechen nicht dem aktuellen Stand der Forschung. Ich bin als Vater einer Tochter mit Magersucht selbst betroffen und weiß, trotzdem ich mich mittlerweile im 3. Jahr damit beschäftige, kein Patentrezept… weil es keins gibt. Und ich kann nur sagen, es ist (fast) das schlimmste was einem passieren kann, wenn das eigene Kind bereit ist, sich in den Tod zu hungern. Ich vermute, dass du diese Erfahrung noch nicht gemacht hast, sonst hättest du diesen Artikel anders geschrieben.
    Meine Bitte, ändere den Begriff Essstörung in Esslaunen (oder ähnlich) und alles ist gut. Oder beschäftige dich mit dem Thema Essstörungen wirklich und nimm den Artikel so lange offline. Das Thema füllt Bücher, Aufsätze, Berichte, Untersuchung usw. von Experten auf diesem Bereich, alles viel zu umfangreich um das hier oder in wenigen Zeilen außeinander zu setzen.
    Ich persönlich würde also auf die erste Option hoffen, alles andere ist ein sehr, sehr großes Fass…

    Trotzdem lieben Gruß

    PS.: Da ich nicht blicke, wann wie wo die Kommentare sichtbar werden, möchte ich anonym bleiben… zum Wohle meiner Tochter.


    1. Hallo xyz,
      meine Kinder sind zum Glück nicht betroffen, wohl aber welche im Bekanntenkreis. Der Begriff Essstörung ist hier bewusst gewählt. Magersucht und Adipositas sind schwerwiegende Ausprägungen von Essstörungen, was aber nicht bedeutet, dass eine Essstörung nicht bereits vorab vorliegt, jedoch nicht in der gravierenden Form. Wenn ein Kind nur Nudeln mit Tomatensoße haben möchte, dann ist das mit Sicherheit keine Essstörung, sondern wie du richtig sagt eine „Laune“. Der Umgang mit der Laune seitens der Eltern kann jedoch den Weg zu einer Störung ebnen. Mehr soll der Text auch nicht aussagen.


  2. Hallo Daniel,
    sorry, aber der Begriff Essstörung ist im fachlichen Sprachgebrauch anders belegt, als du ihn verwendest. Google das mal. Hier mal ein Zitat, das in diesem Fall gut passt, es gibt aber auch noch viele andere:

    „Eine Essstörung ist eine ernsthafte Erkrankung. Im Mittelpunkt steht das Thema „Essen“. Es handelt sich dabei aber nicht um ein Ernährungsproblem, sondern der Umgang mit dem Essen und das Verhältnis zum eigenen Körper sind gestört.“ Quelle: patienten-information.de

    Es wird also deutlich unterschieden zwischen der ernsthaften Erkrankung einerseits und Ernährungsproblemen andererseits. Die quasi Gleichsetzung von Essstörung und Essproblemen in deinem Artikel und deinem Kommentar ist deshalb problematisch. So wird für nicht Betroffene, die eine Essstörung, speziell Magersucht, normaler Weise sowieso überhaupt nicht verstehen können („Iss doch einfach…“), das Problem in vielerlei Hinsicht verharmlost. Es ist ja nur eine Laune, die auch wieder vergeht, hervorgerufen durch die zweifelhaften Schönheitsideale unserer Gesellschaft oder/und durch die fragwürdigen Essgewohnheiten der Eltern. Das kann so sein, aber es sind meiner Erfahrung nach eher andere Probleme, die den Betroffenen zu schaffen machen, Pupertät, Schule, Mobbing, Weltschmerz, Depressionen uvm..

    Und dann die Überschrift, puh, der Hammer. Für betroffene Eltern, die noch nicht soweit in der Verarbeitung und gefestigt sind, ist diese Aussage ein absoluter Tiefschlag, weil die sind allermeist sowieso erstmal von Zweifeln zerfressen und total am Boden sind. Und es stimmt, zumindest so oberflächlich betrachtet, einfach nicht. Nicht dass Eltern nicht ein Baustein in der Essstörung sein können, du schreibst aber, sie ‚…sind mit Schuld…‘.

    Hast du übrigens mal mit den betroffenen Eltern in deinem Bekanntenkreis darüber, d.h. über deinen Artikel, vorher gesprochen? Sind es denn wirklich Essstörungen oder sind es ‚einfach nur‘ dünne oder dicke Kinder? Der Gedanke kam mir gerade… Magersüchtige verbringen oft Monate oder gar Jahre in Kliniken oder schlimmer in Psychatrien, nur so als Kriterium…

    Entschuldige meine Hartnäckigkeit, aber das Thema ist wichtig, es ist nicht bös gemeint. Und eigentlich bin ich nur zufällig auf den Artikel gestoßen, weil ich immer mal wieder gerne auf eurer Homepage vorbeischaue.

    Liebe Grüße


  3. Hi,

    hab heute durch Zufall die folgende Sendung im Radio gehört…

    br.de/radio/bayern2/sendungen/iq-wissenschaft-und-forschung/magersucht-eine-komplexe-psychische-erkrankung-100.html

    LG
    xyz

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