Fasten soll reinigen und entgiften – Alles nur Mythos?

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Fasten steht schon längst nicht mehr in einer esoterischen Ecke. Ganz im Gegenteil in den letzten Jahren wird es immer populärer. Insbesondere Heilfasten und intermittierendes Fasten liegen ganz hoch im Trend. Dabei ist die Wirkung des Fastens nicht unumstritten, sind doch die Versprechen, die damit einhergehen, sehr hoch gegriffen. Was stimmt denn eigentlich und was gehört besser in das Reich der Mythen? Können wir uns mit Hilfe des Fastens wirklich selbst reinigen?

Was ist Fasten?

Unter Fasten versteht man einen gewollten Nahrungsentzug. Es steht im Ruf gesunde Prozesse im Körper zu aktivieren, welche uns in Folge dessen jung und vital halten. Durch die verminderte Nahrungsaufnahme sollen Prozesse in Gang gesetzt werden, die Schlacken und Gifte vermehrt aus dem Körper ausleiten. Ganz nebenbei bekommt man noch ein paar überflüssige Pfunde weg. Soweit erst einmal sehr vielversprechend, aber was stimmt denn daran?

Fragt man aber herkömmliche Mediziner, so ist deren Antwort meist klar: Niere und Leber sind die Organe, die für den Abtransport von all dem zuständig sind, was wir aus dem Körper herausholen sollen. Sie sorgen dafür, dass Gifte aus dem Körper ausgeleitet werden. Dafür braucht es kein Fasten, denn während einer Fastenkur werden nicht mehr und auch nicht weniger Gifte aus dem Körper ausgeleitet wie in Zeiten einer herkömmlichen Nahrungsaufnahme. Auch existieren in unserem Körper keine Schlacken, die man abbauen müsste.

Fasten kann gesund sein

Nichtsdestotrotz kann Fasten sehr nützlich sein. Aufs Essen zu verzichten, so haben Wissenschaftler festgestellt, bringt so einiges an Vorteilen mit sich. Vor allem bei Übergewicht und sämtliche damit verbundene Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder rheumatische Gelenkschmerzen können positive Effekte erzielt werden, aber auch Heilung erfolgen. Wer Fasten allerdings zur Behandlung von Krankheiten einsetzt, er sollte dies stets unter ärztlicher Aufsicht tun. Insbesondere chronisch kranke oder alte Menschen sollten ihren Fastenplan vorab mit einem Arzt besprechen.

Fasten sorgt dafür, dass der stete Kreislauf permanenter Nahrungszufuhr unterbrochen wird. Dadurch bekommt der Stoffwechsel eine Pause und anschließend die Chance auf einen gesunden Neustart. Immer mehr Experten sind sich sicher, man kann mit Fasten durchaus den Körper bei der Heilung unter die Arme greifen und die Schulmedizin gut unterstützen.

Das uns bekannte Heilfasten geht auf Otto Buchinger zurück. Der Mediziner lebte von 1878 bis 1966. Für ihn war Fasten eine Methode zur Gesundheitsprävention und sowie Therapie bei bestimmten Krankheiten. Im Gegensatz zum totalen Fasten wird dem Körper beim Heilfasten immer noch eine geringe Menge an Kalorien und damit Energie zugeführt. Heilfasten wirkt laut Buchinger nicht nur körperlich aus. Auch auf spiritueller und psychosozialer Ebene sind Entwicklungen erkennbar. Um von den Effekten des Fastens zu profitieren, sollten Heilfastende etwa eine Woche lang auf Nahrung verzichten.

Was passiert beim Fasten im Körper?

Durch das Fasten kommt es in unserem Körper zu einer kompletten Umstellung für den Stoffwechsel. Das bedingt auch die Neueinstellung zahlreicher Signalhormone, was dazu führt, dass sich zahlreiche Vorgänge in unserem Körper ändern.

In der Summe wirkt das Ganze dann stark entzündungshemmend. Speziell bei Rheuma oder entzündlichen Darmerkrankungen wird Heilfasten deshalb bereits als Therapie angewendet. Die gewonnenen Effekte halten jedoch nicht ewig. Wer nach dem Fasten genauso weiter isst, wie vor dem Fasten, der verliert nicht nur die gesundheitlichen Vorteile, sondern auch die verlorenen Kilos sehr schnell wieder. Die Folge ist unweigerlich der Jojo-Effekt! Wer nach dem Fasten zu schnell wieder „normal“ isst und nicht langsam wieder damit beginnt Nahrung aufzunehmen und auch nicht seine Ernährung umstellt, der fastet umsonst.

Fasten als Abnehmhilfe

Wir Deutschen sind eindeutig zu dick. Über 50 Prozent der gesamten Bevölkerung gilt als übergewichtig. Vor allem Männer sind davon betroffen. Fasten könnte helfen das eigene Körpergewicht wieder auf ein gesundes Maß zu drosseln.

Zum Abnehmen wurde in letzter Zeit vor allem das Intervallfasten in den Medien besonders hervorgehoben. Intervallfasten oder auch intermittierendes Fasten bedeutet, dass man tageweise oder stundenweise komplett auf Nahrung verzichtet.

Zur Wirksamkeit des Intervallfastens wurde hierzulade sogar eine Studie erstellt. Dabei wurde das 5-2-Intervallfasten mit einer herkömmlichen Reduktionsdiät vergleichen. 5-2-Intervallfasten bedeutet, dass man fünf Tage die Woche wie gewohnt isst, die beiden übrigen Tage jedoch weitestgehend auf Nahrung verzichtet. Im Rahmen der Studie hat sich herausgestellt, dass 5-2-Fasten mit einer Reduktionsdiät nahezu vergleichbar ist.

Keine wissenschaftliche Studie hat bisher eindeutig bewiesen, das Intervallfasten geeigneter als eine Reduktionsdiät ist, um Gewicht zu reduzieren oder den eigenen Stoffwechsel gesund zu halten. Was jedoch unbestritten ist, es hilft uns deutlich weniger zu essen und das ist nicht unerheblich, denn zu viel Essen geht an die Lebenserwartung.

Fasten bedeutet nicht zu hungern.

Fasten bedeutet nicht zu hungern.

Besser zu wenig als zu viel essen

Wir essen deutlich zu viel. Dabei kann der menschliche Körper ohne essen oder mit nur sehr geringer Nahrungsaufnahme deutlich besser umgehen als mit zu viel. Die Folge von einem zu hohen Lebensmittelkonsum ist Übergewicht und das verursacht nicht selten Entzündungen und vermutlich sogar Krebs.

Dem kann man entgegenwirken. Der hier zugrundeliegende Prozess nennt sich Autophagie. Er ist dafür zuständig unsere Zellen jung und gesund zu halten indem unnötige Bestandteile der Zellen entsorgt werden. Das wiederum kann dafür sorgen, dass chronische Krankheiten gar nicht erst entstehen.

Der Prozess der Autophagie funktioniert umso besser, wenn der Körper nicht ständig damit beschäftigt ist zu verdauen und Energie aus Lebensmitteln zu verstoffwechseln. Was man inzwischen auch weiß ist, dass der Reinigungsprozess bei alten Menschen oder auch chronisch Kranken nachlässt. Der Körper verlernt somit die Fähigkeit sich selbst zu reinigen.

Wer fastet, der kann den Prozess der Autophagie wieder stimulieren. Wer allerdings denkt, man müsse nur fasten und die Zellen werden dadurch automatisch gereinigt, der greift gedanklich zu kurz. Die Prozesse, die dahinter stecken sind deutlich komplexer und selbst seitens der Wissenschaft nicht vollständig nachvollziehbar. Viele Experimente und Studien weisen jedoch daraufhin, dass ein zeitweiliger Nährstoffentzug sich positiv auf Gesundheit auswirkt. Autophagie ist ein Grund dafür.

Warum fasten wir?

Fasten kennt man schon seit Jahrtausenden. Keine Weltreligion, welche nicht auch das Fasten als festen Bestandteil des Glaubens in sich trägt. Im Christentum soll 40 Tage vor Ostern enthaltsam gelebt werden. Muslime verzichten 30 Tage während des Ramadans tagsüber auf Essen, Trinken und Rauchen. Der Erfolg des Fastens und die Verbreitung über alle Weltreligionen hinweg mag unter anderem daran liegen, dass wir in Fastenzeiten mental wacher und empfänglicher werden. Einzelne Sinne sind schärfer, was man daran erkennt, dass wir intensiver schmecken und besser riechen können.

Bis heute ist der Fastenboom ungebrochen, obwohl es für sie einhergehenden Erwartungen keine 100 prozentigen wissenschaftlichen Beweise gibt. In der heutigen Zeit sind die Gründe für das Fasten meist jedoch keine religiösen mehr. Vielmehr wird Fasten als Chance gesehen damit zu beginnen seinen Lebensstil zu ändern. Dabei geht es um geistige und körperliche Fitness, ein jugendlicheres Aussehen oder auch um eine ersehnte Pause vom Alltag.

Reinigt Fasten unserem Körper?

Auch wenn es wissenschaftlich keine haltbaren Beweise für die Wirksamkeit des Fastens gibt, verändert es einen trotzdem. Es ist unwidersprochen, wer fastet, der beschäftigt sich vermehrt mit seinem Körper, seiner Gesundheit und auch seiner Ernährung. Durch diese Selbstreflexion kann etwas angestoßen werden. Es kann ein Impuls sein dafür, seinen Lebensstil und seine Essgewohnheiten dauerhaft zu ändern.

Hinzu kommt, Fasten stärkt das Selbstgefühl des Fastenden. Man wird im Laufe des Fastens stolz auf sich selbst und erkennt, dass man sich auch mit wenig essen gut fühlen kann. Eine Woche ohne Nahrung klingt zu Beginn wie ein unüberwindbares Hindernis, kann aber von jedem gemeistert werden.

Damit steht fest, psychologisch gesehen ist es nachvollziehbar warum Fasten so erfolgreich ist. Auch können Reinigungsprozesse wie die Autophagie stimuliert werden und wer seine Chance nutzt, der kann auch auf einen dauerhaften Gewichtsverlust hoffen.

Sicher ist, wer gesund ist, dem schadet Fasten mit nicht. Auch wenn es nicht wissenschaftlich bewiesen ist, Fasten versetzt einen zumindest in das Gefühl der Reinigung und Erneuerung. Es ist eine tolle Erfahrung, die man jedem nur empfehlen kann.

 

Wenn ihr mehr über das Fasten erfahren wollt, wir haben hier auf WirEssenGesund.de eine spezielle Themenseite zum Thema Fasten aufgebaut, auf der ihr sämtliche Informationen zu verschiedenen Fastenformen finden könnt. Unter anderem findet ihr auch eine Anleitung zum Fasten. Diese beinhaltet eine genaue Beschreibung des Entlastungstages, der darauf folgenden Fastenwoche sowie der an das Fasten anschließenden Aufbautage. Letztere beinhalten auch Rezepte mit Hilfe derer ihr euch wieder langsam über drei Tage hinweg an das normale Essen gewöhnen könnt.

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