„Keine Hendln mehr kann jeder“

Mensch und Gesellschaft / 5/5 (1) für diesen Beitrag

Seit etwa 15 Jahren war ich wieder einmal auf einem Konzert von Hans Söllner, dem bayerischen Bob Marley. Er macht nicht nur gute Musik, sondern fällt gerne mal auf, mit dem was er tut. Ob er im Rahmen seiner Konzerte kollektiv zur Selbstanzeige wegen Marihuanakonsum aufruft oder mehr Pazifismus und gleichzeitig friedliches Chaos fordert. Diesmal könnte man meinen, er war im Auftrag des Tierschutzes unterwegs.

 

Bei Hans Söllner hat man aber das Gefühl, es geht ihm nicht vorrangig um den Tierschutz im Speziellen. Vielmehr ist es das Grundprinzip des gemeinschaftlichen, friedvollen Zusammenlebens. Keiner sollte, egal ob gegenüber Menschen oder Tieren, unmoralisch und auf Kosten des Anderen handeln. Dabei sitzt er selbst nicht mit Räucherstäbchen im Yogasitz und appelliert mit erhobenen Zeigefinger, sondern verbreitet seine Botschaft in witzigen, ironischen und provokativen Geschichten. Er malt dem Publikum seine eigene Welt. Eine Welt in der der gesunde Menschenverstand wieder siegt, Menschen sich wieder kennen und freundlich zueinander sind und gleichzeitig ein gesundes Chaos der Gesellschaft gut tun würde.

„Mit den Hendln fängt’s an, der Rest kommt von allein“

Der Weg dorthin ist allerdings im Gesamten für den Einzelnen unüberschaubar und damit schwer nachzugehen. Zu sehr sind wir in den gegebenen Konventionen und Regelungen gefangen. Ein erster Schritt ist es, der gegangen werden muss. Dafür steht symbolisch das halbe Hendl als bayerisches Grundnahrungsmittel. Auf dieses zu verzichten wäre seiner Meinung nach dieser erste Schritt. Das Nachdenken über das eigene Tun eine logische Konsequenz. Dabei ist die Hürde bei vielem schwer, aber „ein Jahr keine Hendln mehr kann jeder“. Damit schränkt sich in der heutigen Zeit niemand mehr ein. Die Auswahl an Alternativen ist groß genug.

„Wer 40.000 Hendln den Schnabel abschneidet is ka Landwirt, der is a Tierquäler oder a Arschloch“

Hans Söllner ist dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wie auch immer man zu ihm stehen mag, aber in vielen Dingen hat er recht. Der Blick, mit dem wir unsere Gesellschaft und damit die Welt betrachten ist verschoben. So kürzen wir den Hähnchen die Schnäbel, damit sich diese aufgrund der Enge nicht gegenseitig verletzen. Ein Akt der Gnade und gut bäuerliche Praxis – so soll es wirken. In Wahrheit könnte man Tiere auch so halten, dass dies nicht notwendig wäre. Somit ist der gute Bauer eben nicht dieser, sondern „a Tierquäler oder a Arschloch“, wenn er zum Akt der Gnade greifen muss. Da muss ich dem Hans eindeutig recht geben!

„Bei dem einen werden’s die Hendln bleiben, der andere verzichtet dann auf Schwein oder sogar Rind“

Der Mensch hat auf dieser Welt eine besondere Stellung. Er kann im Vergleich zu anderen Lebewesen bewusst „Stop“ sagen und etwas ändern. Der Löwe hätte nicht die Möglichkeit auf Mangos oder Würzelfrüchte umzustellen. Wir können dies aber sehr wohl. „Ich kann mir auch net vorstellen, dass drei halbe Hendln für 2,99 € nix mit uns macht. Des darf ma net kaufen!“

Wir sind der Herr über uns selbst und wenn wir etwas ändern möchten, dann können wir das auch. Jeder kann sein Umfeld positiv verändern und dafür braucht es nicht den Zeigefinger, manchmal reicht auch einfach ein wenig Humor oder Freude am Leben. Was bei der Ernährung beginnt, endet im besten Fall beim ganzen Leben.

Hans, deine Einstellung gefällt uns…!

Auch wir sind fest davon überzeugt, „ein Jahr keine Hendln mehr kann jeder“ und es würde tatsächlich etwas verändern!

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