Containern – Eine stille Revolution

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Das Containern wird immer beliebter. Meist junge Menschen setzen ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung und holen weggeworfene Lebensmittel aus den Mülltonnen der Supermärkte wieder heraus – aus Überzeugung!

Essen aus Mülltonnen klingt nach einer unglaublichen Überwindung und nicht nach einer Lebenseinstellung. Genau das ist es für die Lebensmittelretter aber. Es werden jedoch nicht irgendwelche Mülltonnen zum Opfer der Begierde, es sind die Tag für Tag prall mit guten Lebensmitteln gefüllten Supermarkttonnen. Dort liegen gut eingeschweißte und verpackte Lebensmittel in Massen. Handschuhe an beim Sammeln, alles danach gut waschen und schon kann es wieder gegessen werden.

Containern hat nicht unbedingt was mit Geld zu tun

Wer sind die Menschen, die sich Nacht für Nacht zu den Supermärkten schleichen und dort Lebensmittel aus den Abfallcontainern holen? Selbstverständlich sind darunter auch bedürftige Menschen, man findet aber auch immer mehr junge Menschen, insbesondere Studenten. Der Antrieb ist bei letzteren nicht unbedingt das gesparte Geld oder etwa ein anderer wirtschaftlicher Zweck. Es ist ein Aufbegehren gegen ein System der Verschwendung. Den nächtlichen Besuchern geht es ums Prinzip. Immer noch sterben Menschen an Hunger und wir schmeißen gleichzeitig in unserer Überflussgesellschaft unglaubliche Mengen an guter Nahrung einfach weg.

Nach offiziellen Angaben werden in Europa über die Hälfte aller Lebensmittel weggeschmissen. Deutschland steht dabei sogar an der Spitze der Lebensmittelverschwender. Meistens sind die entsorgten Nahrungsmittel noch vollkommen in Ordnung, Obst hat eventuell unschöne Stellen oder schaut aus anderen Gründen nicht gut aus, bei anderen Produkten wird gerade das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten oder es ist schlicht und ergreifend einfach nur zu viel. Alles kein Grund, warum man diese Lebensmittel nicht mehr essen könnte. Genau das ist auch die Intension der Sammler. Wenn es natürlich einen sehr angenehmen Nebeneffekt hat, nichts mehr für sein Essen bezahlen zu müssen, so steht hinter dem Containern im Grunde eine stille Revolution. So lange die Supermärkte weiterhin ihre Tonnen mit diesen Massen füllen und gleichzeitig Menschen wegen Hunger sterben, so lange wird es auch Menschen geben, die damit nicht einverstanden sind. Es gibt auf der Erde nämlich definitiv kein grundlegendes Ernährungsproblem, lediglich ein ungerechtes Verteilungssystem.
Verteilung ist auch unter den einzelnen Gruppen ein wichtiges Thema. Beim Containern ist es oftmals so, dass das Angebot nicht unbedingt sehr breit ist. Die Regel sieht eher vor, dass Supermarkttonnen oftmals voll von wenigen einzelnen Produkten sind. So stapeln sich palettenweise Milchtüten oder Tomaten. Eine ausgeglichene und abwechslungsreiche Ernährung schaut jedoch anders aus. Aus diesem Grund sind Containerer meist sehr gut vernetzt und tauschen eifrig ihren Fang untereinander aus. Die Tauschmentalität bringt einen Mehrwert für jeden und auch für die Umwelt. Denn keiner schafft es jeden Abend 5 Kilo Tomaten zu essen, während sich der andere Mit 10 Liter Milch zufrieden geben muss. Man gibt und nimmt, so dass am Ende jeder genau das hat, was man auch selbst verbrauchen kann.

Angst vor Strafen ist überschaubar

Wer containert, der ist sich der möglichen Strafen bewusst. Selbst wenn Dinge bereits weggeworfen wurden sind sie nach deutschem Strafrecht immer noch Eigentum desjenigen, der sie weggeschmissen hat. Folglich ist Containern vor dem Gesetz Diebstahl und darauf steht in der Regel zumindest eine Geldstrafe. Auch kann das Betreten des Supermarktgeländes, sofern abgesperrt, als Hausfriedensbruch geahndet werden.

Wo kein Kläger, da kein Richter! So scheint zumindest des Credo der meisten Container-Anhänger. Sie sehen sich mit ihrer Aktion im Recht. Auch haben erste Verfahren gezeigt, dass in den meisten der Fälle nichts passiert und die Täter mangels öffentlichem Interesse mit einer Verwarnung davon kommen. Hinzu kommt die Einstellung vieler Supermarktbetreiber zum Containern, sie hat sich Teil durchaus geändert. Waren sie noch vor wenigen Jahren sehr dahinter her, dass sie selbst nicht zum Opfer der Lebensmittelretter werden, so wird von vielen der Trend inzwischen wenn auch nicht gefördert, so doch zumindest akzeptiert.
Natürlich sollte man sich nicht erwischen lassen, das ist immer noch der beste Schutz vor jeder Strafe. Wer regelmäßig Containern geht, der kennt aber die Tricks. Man geht mindestens zu zweit, so das einer Schmiere stehen kann und nutzt zudem gerne auch leichten Regen oder kalte Nächte, wodurch die Wahrscheinlichkeit, dass man gesehen wird deutlich minimiert wird.

In vielen Städten ist bei der Polizei das Phänomen „Containern“ noch gar nicht bekannt. Das liegt aber nicht daran, dass dort keine nächtlichen Besuche der Supermarkttonnen passieren. Wahrscheinlicher ist, dass es bisher nicht zu Anzeigen kam und damit die Polizei auch nicht einschreitet.

In Österreich und der Schweiz ist die Rechtslage sogar noch klarer als in Deutschland. In beiden Ländern gilt Müll als „herrenlose Sache“, er gehört damit niemandem. Was keinen Besitzer hat kann auch nicht geklaut werden. Bei unseren Nachbarn ist Containern also explizit erlaubt.

Ein Plädoyer gegen Lebensmittelverschwendung

Natürlich werden und möchten wir nicht dazu aufrufen sich an Straftaten zu beteiligen. Was aber durchaus im Bereich des Möglichen liegt ist, Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken. Was auf der einen Seite das Containern ist, kann auch zu Hause weitergeführt werden. Verkochen statt wegschmeißen oder einfach nur das einkaufen, was man auch selbst essen kann ist bereits ein guter Anfang.

Wer nicht in den Container steigen möchte, der kann auch einfach fragen. Immer mehr Betreiber, speziell von Bio-Supermärkten, sind bereits sensibilisiert gegenüber einer zunehmenden Lebensmittelverschwendung und finden sie genauso schlecht wie wir. Es tut ihnen genauso im Herz weh, all diese kostbaren Lebensmittel wegzuwerfen. Deshalb engagieren sie sich an Projekten wie „Share und Care“ oder „Foodsharing“, sie stellen Lebensmittel, die sie nicht mehr verkaufen können, gezielt neben die Tonne. Dort können sie dann einfach stillschweigend abgeholt werden.

Irgendjemand hat einfach mal nachgefragt. Wer also keine Lust auf nächtlichen Besuch und Containern hat, der kann das auch vermeiden und gleichzeitig etwas Gutes damit tun. Das ganze System basiert auf Vertrauen, das heißt aber auch, dass die Supermärkte darauf vertrauen können müssen, dass die Ware auch wirklich abgeholt wird. Einfach nur draußen stehen lassen dürfen sie die Lebensmittel nämlich auch nicht.

Es gibt neben dem Containern eine Vielzahl an Möglichkeiten wie man Lebensmittel vor der Tonne retten kann. Dort wo aber keine Alternativen gefunden werden, dort wird es aber weiterhin eine Revolution im Verborgenen geben – Es lebe das Containern!

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