Drogen: Von der Straße ins Netz, statt im Club nun auf der Coach

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Die Corona-Pandemie hat verändert, wie Drogen verkauft werden und wo Drogen konsumiert werden: Von der Straße verschiebt sich der Drogenhandel ins Internet und statt im Club wird nun auf der Coach konsumiert. Auch wie viele Menschen schon einmal Drogen ausprobiert haben und welche am meisten konsumiert werden, geht aus dem Europäischer Drogenbericht hervor.

Wie viele Leute konsumieren illegale Drogen in Europa?

Fast jede*r dritte Europäer*in (28,9 Prozent) hat schon einmal illegale Drogen konsumiert, das entspricht 83 Millionen Menschen. Auffallend ist, dass deutlich mehr Männer (50,6 Millionen) Erfahrungen mit Drogenkonsum haben als Frauen (32,8 Millionen). Tatsächlich könnte die Zahl noch deutlich höher liegen. Denn die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) stuft das als Mindestschätzung ein. Sie hat den Europäischen Drogenbericht für 2021 veröffentlicht, darin sind neben den Ländern der europäischen Union auch Daten aus Norwegen und der Türkei eingeflossen.

Welche Drogen werden am meisten konsumiert?

  1. Am häufigsten wird in Europa Cannabis konsumiert: 27,2 Millionen EU-Bürger*innen haben schon mal Marihuana oder Haschisch geraucht, das ist etwas mehr als jede*r Vierte. Was Cannabis betrifft, gehen die Zahlen in den einzelnen Ländern stark auseinander: In Malta hat nur jede*r Fünfundzwanzigste schon einmal Cannabis ausprobiert, in Frankreich dagegen fast jede*r Zweite – in Deutschland etwas mehr als jede*r Vierte.
  2. Die zweithäufigste illegale Droge ist Kokain: 13,8 Millionen Menschen in Europa haben schon mal gekokst, das ist knapp jede*r Zwanzigste. Allein im letzten Jahr haben geschätzt 3,5 Millionen Europäer Kokain eingenommen.
  3. Am dritthäufigsten wird MDMA konsumiert: 10,4 Millionen haben schon mal MDMA eingenommen, das ist knapp jede*r Achtundzwanzigste.
  4. Amphetamine wie Speed haben 8,7 Millionen Europäer*innen konsumiert, das entspricht jede*r Dreiunddreißigsten.
  5. Zu psychoaktiven Drogen wie LSD liegen keine genauen Angaben vor, da sie laut Bericht „schlecht überwacht“ werden. Schätzungen zufolge hat höchstens jeder hundertste junge Erwachsene im Alter von 15 bis 34 im letztem Jahr LSD oder halluzinogene Pilze konsumiert. In der EU gibt es immer mehr sogenannter „neuer psychoaktive Stoffe“ wie synthetische Cannabinoide: Allein 2020 sind 46 neue Substanzen in der EU entdeckt worden; insgesamt hat die EMCDDA 830 unterschiedliche psychoaktive Substanzen im EU-Raum erfasst.
  6. Auch für Heroin und andere Opioide gibt es keine Angaben, wie viele Europäer*innen diese Drogen schon einmal genommen haben. Im Jahr 2019 gab es schätzungsweise 1 Million Hochrisiko-Opioid-Konsumierende, das entspricht jede*r Zweihundertsechsundachtzigsten. Obwohl damit Heroin und andere Opioide sehr selten konsumiert werden, waren sie für mehr als drei von vier tödlichen Überdosierungen verantwortlich.

Anmerkung: Die Daten beziehen sich, falls nicht anders angemerkt, auf Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren.

Der Drogenmarkt hat sich während der Lockdowns digitalisiert

Die Corona-Pandemie und die Lockdowns haben auch den Drogenmarkt verändert. Von der Straße verlagert sich der Drogenverkauf ins Internet: Über private Messengerdienste, Social-Media-Plattformen sowie Paket- und Heimlieferdienste findet der Drogenkauf nun verstärkt auf Online-Märkten statt. Dazu sagte EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel: „Wir erleben derzeit einen dynamischen und anpassungsfähigen Drogenmarkt, der den Covid-19-Beschränkungen standhält.“

Konsum: Aus dem Nachtleben auf die Coach

Dem Bericht zufolge gibt es auch zwei starke Veränderungen, was den Konsum betrifft. Zum einen habe sich der Konsum aus dem Club auf die Coach verlagert. Dadurch wurden weniger Partydrogen wie MDMA genommen und mehr bewusstseinsverändernde Drogen wie LSD sowie dissoziative Drogen wie Ketamin. Zum anderen weisen Umfragen darauf hin, dass Menschen, die vor der Corona-Pandemie gelegentlich Drogen konsumiert haben, nun ihren Konsum eingeschränkt oder sogar ganz aufgegeben haben; dagegen haben Menschen, die regelmäßig konsumieren, ihren Drogenverbrauch gesteigert.

Im Jahr 2019 starben schätzungsweise 5.141 Menschen in der EU an einer Überdosis.

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