Intervallfasten für Typ-2-Diabetiker statt Diät

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In der Diabetes-Forschung tut sich seit Jahren einiges und viele frühere Ansätze und Theorien werden nach und nach über Bord geworfen. Haushaltszucker wirkt sich beispielsweise nicht ungesünder auf den Blutzuckerspiegel aus als Weißbrot. Allgemein wird Abstand von der Verteufelung von Kohlenhydraten bei Diabetes genommen. Inzwischen ist man sogar soweit zu sagen, dass Diabetes-Typ-2 heilbar ist, anders als früher angenommen.

Trotzdem ist die Standardtherapie in Deutschland noch zu sehr auf eine Tabletten- und Insulintherapie ausgerichtet. Oft kennen die Ärzte und Ärztinnen die veröffentlichen Studien zu anderen Ansätzen gar nicht. Dabei gibt es inzwischen einige die erstaunliche Ergebnisse hervorrufen. Die neuste wurde letzte Woche im deutschen Ärzteblatt veröffentlicht und findet damit auch den Weg zu behandelnden ÄrztInnen.

Intervallfasten genauso effektiv wie Diät

Dabei wurde untersucht wie sich Intervallfasten, das heißt an zwei aufeinanderfolgende Tage in der Woche werden unter 500 Kalorien verzehrt, auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Ausschlaggebend war, dass auf die nun stark schwankenden Kohlenhydratzufuhr bei der Medikation Rücksicht genommen wurde und die Medikamente entsprechend neu eingestellt wurden. Sie konnten letztendlich eine Verbesserung des Langszeitblutzuckerspiegels beobachten, der sich der einer Diabetes-Diät mit maximal 1500 Kalorien am Tag, ähnelte. Die Probanden des Intervallfastens verloren in der Zeit sogar mehr an Gewicht, was sich entsprechend positiv auf ihre Gesundheit auswirkt.

Der studienleitende Arzt sieht in diesen Ergebnissen eine gute Möglichkeit für Patienten, die sich mit einer kontinuierlichen Diät schwer tun. Dennoch sollte das Intervallfasten unter Ärztlicher Kontrolle erfolgen, da bei falscher Medikation eine Hypoglykämie droht.

Eine radikale Diät kann Diabetes heilen

Fasten als Mittel gegen Typ-2-Diabetes ist kein neuer Ansatz. 2016 veröffentlichte Roy Taylor eine Studie, bei der Typ-2-Diabetes Patienten eine radikale Diät von acht Wochen durchliefen, bei der die Probanden nicht mehr als 700 Kalorien am Tag zu sich nahmen und diese streng zusammengesetzt aus 43% Kohlenhydraten, 34% Proteinen und 19,5% Fett. Dazu gab es Vitamine Mineralstoffe und Spurenelemente, alles als Flüssigdiät. Nur 200g pures Gemüse durften täglich als feste Mahlzeit verzehrt werden. Danach kehrten die Teilnehmer langsam zu fester und gesunder Nahrung zurück. Die Ergebnisse waren bahnbrechend gut: bei 87% der Patienten verschwand der Diabetes und blieb auch bei der Kontrolluntersuchung drei Monate später verschwunden. Sogar bei Patienten die schon mehr als 20 Jahre mit Diabetes lebten, konnten 50% nach der Diät ihre Medikamente absetzen.

Bei all den Probanden die keine Medikamente mehr benötigten, konnte beobachtet werden wie die Leber wieder insulinempfindlich geworden war, die Bauchspeicheldrüse erneut Hormone produzierte und sich der Blutzuckerspiegel im Blut komplett normalisiert, als wäre nie etwas gewesen. Die Theorie von Roy Taylor klingt simpel wie einleuchtend: er denkt, dass jeder Mensch eine genetisch festgelegte Fetttoleranz besitzt. Wird die überschritten, kommt es zu Diabetes, unterschreitet man sie, können die Organe wieder normal arbeiten. Das würde auch erklären, warum es nicht bei allen adipösen Menschen zu Diabetes kommt, manchmal aber bei tendenziell schlanken Menschen.

Fettarm und pflanzenbasiert als Schlüssel zur Prävention und Heilung

Das wiederum ergänzt sich hervorragend mit den Ergebnissen des US-Amerikaners Dr. Neal Barnard, Arzt, Wissenschaftler und Gründer des Physicians Committee for Responsible Medicine. Er veröffentlichte für die US-amerikanischen National Institutes of Health eine bahnbrechende Studie über Ernährungsinterventionen bei Typ-2-Diabetes, bei der er als Behandlungsmethode eine fettarme, pflanzenbasierte Ernährung einsetzt und damit seit Jahren erfolgreich Diabetes Typ 2-Patienten heilt. Er konnte feststellen, dass sich kleine Fettpartikel in den Muskel- und Leberzellen aufbauen und das Insulin daran hindern die Zelle zur Aufnahme von Glukose zu öffnen. Eine fettarme vegane Ernährung reinigt nun die Zellen vom Fett und diese können wieder einwandfrei arbeiten.

Grundsätzlich ist eine vegetarische, bestenfalls vegane Ernährung eine der besten Präventionsmaßnahmen gegen Diabetes Typ 2. Die komplexen Kohlenhydrate und Ballaststoffe aus pflanzlichen Lebensmitteln senken das Diabetes-Risiko messbar, genauso wie die geringere Gesamtfettzufuhr und die geringe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren. Außerdem ist es einfacher mit einer veganen Ernährungsweise Gewicht zu verlieren und dieses ohne übermäßigen Sport zu halten, was einer der entscheidendsten Faktoren bei der Diabetesbehandlung ist.

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