Die Fleischsteuer – teures Fleisch gegen den Klimawandel?

Mensch und Gesellschaft / 5/5 (1) für diesen Beitrag

Die Kommentarspalten in Facebook laufen wieder heiß. Soll man die Mehrwertsteuer auf Fleischwaren auf 19 Prozent anheben oder nicht? Und wenn ja, wer profitiert davon? Werden weniger wohlhabende Menschen in Deutschland dadurch zum Zwangsvegetarier? Ist Fleisch überhaupt ein Grundnahrungsmittel?

Vegetarisch endlich nicht mehr teurer

Jede einzelne dieser Fragen bedürfte eines längeren Essays um sich der Beantwortung würdig zu widmen. Am Ende kommt es immer darauf an, was man daraus macht. Zu begrüßen ist, dass wir Veggies durch das Anheben der Steuer nicht mehr im Nachteil mit unseren Pflanzendrinks und Tofublöcken sind, die ja allesamt mit 19 Prozent besteuert werden. Vielleicht verliert der vegane Lebensweg dann den Glaubenssatz diese Ernährungsform wäre teuer. Und vielleicht würden einige Verbraucher auch mal die vegetarische Alternative ausprobieren, weil es im Geldbeutel dann keinen Unterschied mehr macht.

Steuergelder für mehr Tierwohl

In erster Linie ist dieser Vorstoß der Politik längst überfällig und notwendig. Schon seit längerer Zeit fordert die wachsende Zahl der Vegetarier und Veganer, dass die pflanzlichen Alternativen genauso behandelt werden wie die tierischen und mit 7 Prozent besteuert werden sollen. Umgekehrt geht natürlich auch. Über die Fleischsteuer würde zudem einiges an Geldern frei werden, die für den Ausbau von mehr Tierwohl genutzt werden könnten. Landwirte könnten entlastet werden, wenn sie ihren Betrieb ausbauen wollen, so dass jedes Tier etwas mehr Platz zur Verfügung hat. Geschätzt würden mit der Steuererhöhung nach offiziellen Angaben zwei bis fünf Milliarden Euro mehr in die Kassen gespült werden, je nachdem ob man auch Milchprodukte, Eier und Eierzeugnisse besteuert. Bindet man diese Steuer also auch an ihren Zweck, nämlich nachhaltiger Nahrungsmittel zu produzieren um unser Klima und unsere Böden zu schonen, könnte das der Anfang einer Zeit werden, die den Fokus auf Nachhaltigkeit und nicht auf skrupellose Effizienz setzt. Diese Zweckgebundenheit fehlt aber aktuell und ist in der Tat ein Punkt der kritisiert werden muss.

Weniger Fleisch für mehr Gesundheit

Aber aller Anfang ist schwer und klein, und Kleinvieh macht auch Mist. Und nein, signifikant teurer würde Fleisch dadurch nicht. Ein Beispiel: der aktuelle Schnitt für ein Kilo Schweinefleisch liegt bei ca. 1,70€. Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer wäre das gerade einmal eine Erhöhung um 19 Cent auf 1,89€ pro Kilo (!) Fleisch. Für die Menschen, bei denen es auf jeden Cent ankommt wäre es sicher eine kleine Belastung, die aber sehr Wahrscheinlich nur dazu führen würde, dass etwas weniger Fleisch konsumiert werden würde. Der deutschlandweite pro Kopf Verbrauch liegt sowieso um ein vielfaches zu hoch. Aktuell isst jeder Deutsche im Jahr 60kg Fleisch. Um die aktuellen Klimaziele zu erreichen müssten wir Deutsche diesen Verbrauch halbieren. Selbst 30kg Fleisch pro Jahr sind mehr als ausreichend. Würde man die von der WHO empfohlene Menge von 600g Fleisch pro Woche einhalten wären das im Jahr genau 31,2kg. Das würde der allgemeinen Gesundheit sehr zu Gute kommen, unser Gesundheitssystem entlasten und wir würden die Klimaziele erreichen und dabei wahrscheinlich auch noch eine Menge Geld sparen.

Schauen wir doch einmal auf die vielfach umstrittene Zuckersteuer. Auch hier hieß es, das würde gerade die ärmsten der Armen betreffen und diese benachteiligen. Doch genau das stimmt nicht. Ja, einkommensschwache Menschen reagieren auf Preissteigerungen mit entsprechenden Konsequenzen für ihr Konsumverhalten. Aktuell führt das dazu, dass diese Menschen billig bei Discountern oft stark verarbeitete Lebensmittel kaufen, weil das günstiger ist als frisch zu kochen. Es führt dazu, dass die Menschen oft übergewichtig sind und tendenziell mehr an Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden. Eine Fleischsteuer würde also das Einkaufsverhalten wieder auf mehr Hülsenfrüchte und Gemüse lenken, was deren Gesundheit fördern würde. Insgesamt würde also gerade diese Einkommensschicht von einer entsprechenden Steuer profitieren.

Außnahmen für Bio müssen her

Aber was ist mit den Bio-Lebensmitteln? Die würden auch teurer werden. Das wäre schlecht und würde diese umweltschonende Anbaumethode ins Aus katapultieren. Hier müsste eine Ausnahmeregelung gemacht werden. Wenn es der Politik wirklich darum geht, dass wir unsere Nahrungsmittelproduktion nachhaltig, umweltfreundlich und klimaschonend gestalten, dann müssen Bio-Betriebe gefördert und bevorzugt werden. Eine allgemeine Senkung der Steuer auf biologisch produzierte Lebensmittel könnte ein guter Anreiz sein, dass mehr Menschen sich Bio leisten können.

Wir werden also sehen um was es bei diesem Vorstoß am Ende gehen wird. Unsere Aufgabe ist es weiter zu fordern, dass Lebensmittel nachhaltig und regional angebaut und gefördert werden, dass Umweltschutz vor übermäßigen Profit gelegt wird und dass Tierwohl an erster Stelle steht. Wir selbst müssen nun auch bereit dazu sein unseren lieb gewonnen Lebensstil zu verändern und als Beispiel für unsere Kinder voran zu gehen. Eine Fleischsteuer kann dabei helfen.

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