Das indische Paradox der heiligen Kuh

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Eine neue etwa 13 minütige Dokumentation der Tierrechtsorganisation „Animal Equality“ deckt die katastrophalen Haltungs- und Transportbedingungen der Milchkühe in Indien auf. In einem Zeitraum von zwei Jahren haben sie Videoaufnahmen in mehreren indischen Viehbetrieben aufgenommen und die Ergebnisse zusammen mit Forderungen für eine besser Tierhaltung an die indische Regierung übergeben.

Leder ist vor allem billig

Die Bilder sind grausam, blutig und voller Gewalt. Heilig ist die Kuh in Indien schon lange nicht mehr. Indien ist weltweit der größte Milchproduzent und eines der größten Exportländer von Rindfleisch und Leder. Und die EU ist einer der größte Abnehmer dieses Leders: 90% aller Lederwaren der EU stammen aus Indien. Die Farce dabei: schon die Einfuhr von Lederwaren in die EU wird vom Zoll stark begünstigt. Während zum Beispiel Bekleidungen aus Textilien beim Zoll mit 12% besteuert werden, sind Bekleidungen aus Leder mit nur 4% besteuert.

Tierschutz ist ein Fremdwort

An und für sich existieren in Indien Tierschutzgesetze, die nur leider ignoriert werden, denn kein Milchbauer kann es sich finanziell leisten zum Beispiel medizinische Versorgung für seine Kühe zu stellen. Für die Milchproduktion werden Tiere zwangsgeschwängert, meistens ohne sterile Werkzeuge oder Handschuhe. Infektionen und Krankheiten sind die Folge. Geburten werden oft gewaltsam erzwungen, Kälber und Mütter brutal voneinander getrennt. Jeder Tropfen Milch ist Gewinn und nur der zählt, denn nur der kann das Überleben der Bauern sichern.

Um die Milchleistung zu fördern wird illegal Oxytocin gespritzt, welches aber auch wehen-ähnliche Schmerzen auslösen kann, was zu einer dauerhaften Qual für die Kuh wird. Kühe deren Milchproduktion nachlässt werden sofort in den Schlachthof gegeben, zu kranke Tiere werden einfach auf die Straße gejagt. Der Transport zu den Schlachthäusern ist überfüllt, die Tiere werden mit Schmerzen gefügig gemacht. Den Schwanz zu brechen oder Chilli in die Augen der Tiere reiben sind gängige Praxis. Die Schlachtung erfolgt oft ohne Betäubung, mit einem Hammer wird beispielsweise so lange auf das Tier eingeschlagen bis es bewusstlos ist. Oder sie werden bei vollem Bewusstsein geschächtet.

Menschen und Umwelt leiden ebenso

Das alles läuft Hand in Hand mit der Lederproduktion, die wiederum die Menschenrechte mit Füßen tritt. Kinderarbeit ist gang und gäbe und es gibt keinen Mindestlohn oder Krankenversicherung für die Arbeiter. Die Gerbereien sind außerdem eine hohe Belastung für die Umwelt. Alleine am Ganges gibt es 700 Gerbereien die ihr giftiges Abwasser dort einleiten. Der Ganges ist aber die wichtigste Wasserquelle der Menschen in Indien. Zudem droht durch den hohen Wasserverbrauch der Milch-, Fleisch- und Lederindustrie dem Land der Wassernotstand und das schon zum Jahr 2025.

Hier ist wieder das Fassen an die eigene Nase gefragt. Gerade bei Leder gibt es inzwischen viele Alternativen: Kork, „Leder“ aus Ananas, Pilzfasern,Teakbaum- oder Eukalyptusblättern. Und dass Milchprodukte inzwischen wunderbar ersetzbar sind, brauche ich nicht lange auszuführen. Wer die Dokumentation von Animal Equality sehen will:

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