Wasser ist kein Menschenrecht!

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Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist eigentlich seit 2010 ein Menschenrecht. Derzeit gilt das aber nicht für alle. Noch immer sind 840 Millionen von uns davon ausgeschlossen. Wenn wir so weiter machen wie bisher, dann warnen die Vereinten Nationen bereits jetzt davor, dass wir bis zum Jahr 2025 nur mehr noch die Hälfte aller Menschen dieses Menschenrecht gewähren können. Worin liegt das Problem und was wäre die Lösung?

Wer ist schuld an der Wassermisere?

Das Wasserproblem geht jeden etwas an. Wenn es um Wasserverschwendung geht, so sollten wir uns alle an die eigene Nase fassen. Viele Menschen wissen gar nicht woher das Problem kommt. Insbesondere bei uns in Deutschland regnet es doch immer noch genug. Warum sollten wir dann damit beginnen Wasser zu sparen?

Es geht nicht um Regenwasser, es ist auch nicht die Klospülung oder das morgentliche Duschen, was uns zum Verhängnis wird. Es ist unser alltäglicher Konsum. Was kaum einer wirklich realisiert, aber leider nicht zu leugnen ist, wir verbrauchen mit allem was wir kaufen kostbares Trinkwasser.

Für ein Auto könnte man über Jahre hinweg fleißig Vollbäder nehmen. Alleine für ein einzelnes Blatt Papier werden für den gesamten Produktlebenszyklus 10 Liter Wasser verbraucht. Bei dem nicht mehr wegzudenkenden Smartphone sind es in etwa 1000 Liter.

Das Wasser für unseren Konsum kommt aber nicht aus Deutschland, es kommt von überall auf der Welt. Unsere Steaks werden in Argentinien gemästet und die Smartphones in Fernost verschraubt. Dort wird das Wasser verbraucht und in Form von Konsumgütern zu uns verschifft.

Warum kann man Wasserrechte kaufen?

Der Konsum nimmt stetig zu, die Wassersituation wird weltweit nicht bessern. Sauberes Trinkwasser ist schon heute ein kostbares Gut und das haben auch andere erkannt. Die profitablen Wasserquellen sind weltweit soweit möglich bereits in fester Hand. Ganz vorne dabei ist der Schweizer Lebensmittelgigant Nestlé. Bereits in 34 Ländern pumpt der Konzern Wasser an 95 Standorten aus dem Boden und macht damit einen Umsatz von etwa 6,5 Mrd. EUR. Profitabel ist das Geschäft mit Wasser insbesondere in jenen Ländern, in denen Wasser ohnehin knapp ist.

Wie aber passt der Verkauf von Wasserrechten mit einem Grundrecht auf sauberes Trinkwasser zusammen? Ist eine Quelle an ein Unternehmen wie Nestlé verkauft, so haben andere kein Recht mehr daraus ihr überlebensnotwendiges Wasser zu entnehmen. Die Wasserquellen werden zum Teil militärisch abgeschirmt, so dass sichergestellt ist, dass niemand Unbefugtes das Wasser entnimmt.

Handelsrecht steht Menschenrecht entgegen

Das Wasser wird immer knapper, nichtsdestotrotz braucht jeder Mensch täglich mehrere Liter davon. Wer ist dafür verantwortlich, dass ein Menschenrecht auf Wasser auch eingehalten wird? Anscheinend bisher keiner, denn sonst säßen heute bereits viele Menschen wegen Menschenrechtsmissachtung für einige Jahre hinter Gittern.

Da Wasser zunehmend privatisiert ist, wird die Frage nach der Verantwortung für das Menschenrecht teuer. Denn wenn die einzelnen Staaten dafür Sorge tragen müssten, dass die eigene Bevölkerung mit Wasser versorgt wird, so sind zwei Wege denkbar. Natürlich könnte man Nestlé die Wasserrechte einfach entziehen, damit wäre das Problem gelöst und die Quellen wieder für jedermann zugänglich. Leider ist das nicht ganz so einfach.

Will sich ein Staat nicht ins wirtschaftliche Abseits stellen und wegen mangelnder Investitionssicherheit angeprangert werden, so ist das keine Option. Selbst wenn man dabei beteuert, dass es sich bei dieser Entscheidung nur um Wasser und damit das Überleben des eigenen Volkes geht, alle übrigen Investitionen aber bestimmt nicht angefasst würden, so wäre der internationale Druck dennoch gewaltig. Für ärmere Staaten wahrscheinlich nicht auszuhalten. Irgendwelche unternehmensfreundliche Gerichte in westlichen Ländern würden drakonische Strafen verhängen und beweisen, dass Wirtschaftsrecht über Menschenrecht steht.

Menschenrecht auf Wasser hat keine Alternative

Aber was wäre die Alternative? Der Staat kommt in Bedrängnis, denn sein Volk braucht Wasser und hat ein Recht darauf. Entweder kauft er die Wasserrechte zurück oder er kauft das Wasser von demjenigen, der die Wasserrechte besitzt. Ein Rückkauf der Wasserrechte wird mit steigender Notwendigkeit immer teurer, dafür sorgt die unsichtbare Hand von Angebot und Nachfrage. Nestlé und Co. sind die Letzten, die nicht sehr vehement den Geldbeutel aufhalten würde. Man würde den Notstand erkennen und daraus maximales Kapital schlagen, denn eigentlich will man gar nicht verkaufen.

Es wäre viel lukrativer weiterhin Wasser an den Staat und sein Volk zu verkaufen. Gratis Wasser aus dem Boden würde dann flaschenweise vergoldet. Staaten kämen in eine teure finanzielle Abhängigkeit zu einem einzelnen Unternehmen und würden damit hörig. Dabei ist das einzige Ziel des Staates, das Menschenrecht auf Wasser zu gewähren.

Eigentum verpflichtet nicht

Wieso aber verpflichtet man nicht die Besitzer der Wasserquellen dazu das Menschenrecht auf Wasser zu gewähren? Der Vorschlag wäre ganz einfach. Jeder der sich kein Wasser leisten kann, der kann es sich gratis bei Nestlé abholen. Die haben genug davon und bekommen es auch eigentlich kostenfrei aus dem Boden geliefert. Die Natur füllt die Quellen immer wieder auf, weshalb auch das Wirtschaftsgut dadurch nicht geschmälert wird.

Eigentum verpflichtet, hieße es zumindest einmal vor langer Zeit. Bald werden aber 3,5 Milliarden Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser haben. Warum sollte sich derjenige, dem das Wasser gehört zu irgendetwas verpflichtet fühlen? Die Wasserrechte wurden ja genau aufgrund der Knappheit erworben. Ziel war es den größten Profit mit dem wichtigsten Gut der Welt zu machen. Warum sollte man also anfangen den Goldesel zu verschenken?

So lange nicht auch in den reichen Industriestaaten Menschen das Leid des Wassermangels aktiv erleben, so lange sehen die Politiker der großen Volkswirtschaften aller Wahrscheinlichkeit auch keinen unmittelbaren Zwang ihr Verhalten zu ändern. Die Politik hätten zwar alle Trümpfe in der Hand, fühlt sich aber selbst als Geisel ihrer eigenen Unternehmen und mit dem Rücken an die Wand gestellt. Ganz nebenbei ist auch der Politiker ein Teil des großen Geschäfts mit dem Wirtschaftsgut Wasser. Denn leider sind Menschen nur allzu oft käuflich. Außerdem steht Wirtschaftsrecht nicht nur über den Menschenrechten, es steht auch über der Souveränität von Staaten. So lange sich das nicht ändert, so lange wird auch ein Menschenrecht auf Wasser nicht wirklich existieren!

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