Insektensterben: der Mensch ist der größte Killer

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In dieser Zeit in der vieles wichtiger erscheint als ein paar Käfer, ist dennoch eigentlich nichts wichtiger als diese Käfer. Insekten sind dich wichtigsten Bestäuber der Pflanzen, die wir brauchen um sie zu essen oder zu verfüttern, um daraus Biomasse herzustellen, Diesel oder Öl. Ohne Insekten könnten wir nicht überleben, geschweige denn die Natur. Wir brauchen sie, nicht sie uns.

Aber: das Insektensterben geht weiter

Den aktuellen Stand und Gründe für das Insektensterben hat sich eine Studie von 2019 angesehen. Dabei machten sich die Forscher einen Überblick mit Hilfe von 73 historischen Berichten über den Rückgang von Insekten auf der ganzen Welt. Sie bewerteten die Ursachen für den Rückgang und konnten so die Hauptursachen für den Artenrückgang in eine Reihenfolge bringen:

  1. Der Verlust von Lebensraum und die Umstellung auf intensive Landwirtschaft, sowie die Urbanisierung
  2. Verschmutzung, vor allem durch synthetische Pestizide und Düngemittel
  3. Biologische Faktoren wie eingeschleppte Arten und Pathogene
  4. Der Klimawandel

Der Klimawandel trifft vor allem tropische Regionen und deren Artenvielfalt. In kälteren Klimazone und Gebirgslagen der gemäßigten Zonen ist tatsächlich nur eine Minderheit von Arten betroffen. Insbesondere legen die Studienautoren ein Überdenken der gegenwärtigen landwirtschaftlichen Praktiken nahe: der Einsatz von Pestiziden muss verringert werden und durch nachhaltige, ökologische Praktiken ersetzt werden. Nur so können die gegenwärtigen Trends verlangsamt oder sogar umgekehrt werden. Die verschmutzen Gewässer in der Landwirtschaft als auch in städtischen Gebieten müssen ebenfalls wirksam saniert werden.

Um das Ausmaß in Relation zu setzen hier ein Beispiel: eine Populationsüberwachungsstudie, die die Wissenschaftler auswerteten, zeigte einen schockierenden Rückgang der Fluginsekten in den letzten 27 Jahren um 76 Prozent in mehreren deutschen Schutzgebieten! Das heißt pro Jahr verschwanden 2,8 Prozent der Insekten in Lebensräumen, die eigentlich den geringsten menschlichen Störungen ausgesetzt waren. Eine andere Studie aus den Regenwäldern von Puerto Rico hat über den Zeitraum von 36 Jahren einen Verlust von 78 bis 98 Prozent bestimmter Insektenarten verzeichnet. Das entspricht einem Insektensterben von 2,2 bis 2,7 Prozent pro Jahr. Parallel zeigten sich Rückgänge bei Vögeln, Fröschen und Eidechsen in denselben Gebieten als Folge der Nahrungsknappheit.

Ein Drittel der Arten ist vom Aussterben bedroht!

Hier in Deutschland wird oft das Bienensterben betont. Dabei gilt es aber auch die Wildbienen von den Honigbienen zu unterscheiden. Honigbienen sind sogar teilweise schuld am Sterben der Wildbienen. Dabei brauchen wir die Wildbienen: sie erbringen weltweit mindestens 20 Prozent der Bestäubungsleistungen in der landwirtschaftlichen Produktion. Und dennoch lassen sich auch hier dramatische Rückgänge verzeichnen; in Großbritannien konnte ein Rückgang von 52 Prozent der Wildbienenarten nach 1980 verzeichnet werden, in den Niederlanden sogar ein Rückgang von 67 Prozent.

Allem in allem steht es um die Artenvielfalt bei Insekten auf der ganzen Welt sehr schlecht. Fast die Hälfte der Arten nimmt rapide ab und ein Drittel ist vom Aussterben bedroht. Umweltverschmutzung, Habitatveränderung und die intensive Landwirtschaft mit dem unerbittlichen Einsatz von synthetischen Pestiziden sind die Hauptursache für dieses Problem. Als Schlussfolgerung möchte ich aus der Studie zitieren: „Wenn wir unsere Art und Weise der Nahrungsmittelproduktion nicht ändern, werden Insekten als Ganzes in einigen Jahrzehnten auf dem Weg der Ausrottung sein. Die Auswirkungen, die dies auf die Ökosysteme des Planeten haben wird, sind gelinde gesagt katastrophal, da Insekten seit ihrem Aufstieg am Ende des Devons vor fast 400 Millionen Jahren an der strukturellen und funktionellen Basis vieler Ökosysteme der Welt stehen.“

Eine Lösung geht nur gemeinsam und global

Als Lösung sehen die Forscher nur die Wiederherstellung von Lebensräumen mit einer drastischen Reduzierung des Einsatzes von Chemikalien sowie eine Neugestaltung der Landwirtschaft. Schon ein am Feldrand angelegter Blumen- und Grasstreifen erhöht den Reichtum an wilden Bestäubern. Eine Fruchtfolge mit Klee steigert den Reichtum und die Vielfalt der Hummeln (Hummeln sind neben den Bienen die wichtigsten Bestäuber, ja teilweise sogar wichtiger, da sie temperaturunabhängiger arbeiten können). Dazu müsste der Einsatz von Insektiziden und Fungiziden auf ein Minimum reduziert werden. Die Autoren weisen außerdem darauf hin, dass eine drastische Reduktion von Insektiziden nicht gefährlich sei, da sie nicht wesentlich zu den Ernteerträgen beitragen, sondern Schädlingsresistenzen auslösen. Diese Resistenzen wiederum beeinträchtigen die Lebensmittelsicherheit negativ und senken das Betriebseinkommen. Eine umsichtige Umsetzung der integrierten Schädlingsbekämpfung erbrachte in Europa sowie in Afrika und Asien im Laufe der Jahre ähnliche oder sogar höhere Ernteerträge. Damit widerlegen die Autoren die Notwendigkeit der Pestizide und Insektizide für einen hohen Ernteertrag. Es wird also Zeit, höchste Zeit, diesen Empfehlungen nachzukommen. Als Verbraucher heißt das: biologisch kaufen, regional kaufen, nachfragen und nach Möglichkeit selbst viel verschiedene Blumen anpflanzen und im Garten keine Insektizide zu verwenden.

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