MSC-Fischsiegel ist nichts wert

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Theoretisch steht der blaue Fisch auf der Verpackung, das MSC-Siegel, für nachhaltig gefangenen Wildfisch, der das Ökosystem nicht schädigt. Mehr als die Hälfte aller verkauften Fischprodukte in Deutschland tragen dieses Siegel. Auch Supermärkte wie Lidl oder Edeka haben ihr Fisch-Sortiment auf MSC umgestellt. Allein das sollte schon stutzig machen.

Fragwürdige Methoden bei den Fischern

Der MSC rühmt sich mit einer Regel: der Fang darf die Fischbestände nicht gefährden. Das Hauptproblem dabei ist jedoch, dass diese Regel nicht ausschließt, dass an ein kritisches Limit herangefischt werden darf. Das ist der Punkt, an dem der Bestand eventuell so minimiert ist, dass er sich nicht mehr aus eigener Kraft erneuern kann. Auch die Techniken mit denen unter MSC gefischt werden dürfen, sind fragwürdig. Beispielsweise werden Grundschleppnetze benutzt die den Meeresboden nachhaltig schädigen. Auch die Fischerei mit Ringwaden wird unter dem Siegel geduldet. Bei dieser Technik werden Ringwaden, eine Art Netz, verwendet, die bis zu 2000 Meter lang und bis in eine Tiefe von 200 Metern reichen. Sie wird um einen Schwarm Thunfische ausgelegt und anschließend zugezogen, so dass die Fische völlig vom Netz eingeschlossen sind. Darunter befindet sich oft Beifang wie beispielsweise Delfine, die dann qualvoll verenden.

Es geht doch nur um den Gewinn

Dazu kommt der finanzielle Aspekt: Der MSC finanziert sich vor allem durch Lizenzeinnahmen. Von jedem verkauften Produkt mit dem blauen Fisch-Logo kassiert er 0,5%. Aufs Jahr umgerechnet macht der MSC damit insgesamt einen Gewinn von 17 Millionen Euro. Dass es dem 1997 gegründeten „Marine Stewardship Council“ um den Gewinn geht zeigt vor allem, dass den Fischern keine Fragen mehr gestellt werden, sobald das Siegel vergeben wurde. Ein Forscherteam des Kieler Geomar-Institut hat zudem herausgefunden, dass von über 100 MSC-Fischereien ein Drittel überfischt sind. Seit es das Siegel gibt haben sich darunter einige Fischereien verbessert, einige verschlechtert. Im Schnitt hat sich aber nichts geändert.

Aus all diesen Gründen stuft Greenpeace Österreich das MSC-Siegel im aktuellen Gütezeichen Guide als „absolut nicht vertrauenswürdig“ ein. Was als Schritt in eine nachhaltige Fischerei begann, ist nun zum dunklen Industriezweig geworden. Gegründeten wurde das Siegel übrigens als Kooperation von Unilever und dem WWF. Als ich Unilever las, war mir klar, dass es hier nicht um Nachhaltigkeit gehen kann. Besser konnte sich dieses ausbeuterische Weltunternehmen gar nicht in unsere Supermärkte schleichen. Selbst wenn man aktiv Produkte mit dem Unilever Logo meidet, kauft man bei vermeintlich nachhaltigem Fisch unbewusster weise Unilever und trägt zu deren Gewinn bei. Das ist unfassbar dreist.

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