Stroh im Brot

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Was gibt es leckeres als eine deftige Brotzeit? Man sitzt draußen im Biergarten und genießt in gemütlicher Runde den Feierabend. Die Scheibe Vollkornbrot ist dick mit Butter bestrichen, liebevoll mit Radieschen garniert und mit etwas Schnittlauch, Salz und Pfeffer verfeinert. Der Biss des Genusses lässt es einen nicht erahnen, aber man beißt auf Stroh. Die Lebensmittelindustrie hat sich wieder etwas Neues ausgedacht, um die an Kosten zu sparen und mischt einfach Stroh ins Brot.

Selbstverständlich würde niemand explizit Stroh als Zutat auf der Verpackung ausweisen, da klingt „Weizenhalmfaser“ doch schon deutlich besser. Man könnte fast meinen dahinter verbirgt sich sogar noch etwas Gesundes. Weit gefehlt, gesundheitlich ist die Weizenhalmfaser natürlich nicht bedenklich, aber moralisch auf jeden Fall. Statt dem teuren Vollkornmehl, welches der traditionelle Bäckermeister von nebenan verwendet, wird der Vollkorneffekt durch Stroh erzeugt. Die natürlichen im Vollkornmehl enthaltenen Vitamine und sonstige gesunde Bestandteile des Korns gehen dadurch verloren, dafür lässt sich der Wasseranteil im Brot steigern. Wie nett, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, günstiger im Einkauf, mehr an Gewicht. Selbst die eigene Bäcker-Innung wettert gegen dieses Verhalten der industriellen Branchenvertretern und trommelt für das traditionelle Bäckerhandwerk.

Mehr Geld für gute Lebensmittel

An den Verbrauchern geht das Verhalten der Lebensmittelindustrie inzwischen nicht mehr schadlos vorbei. Dioxine im Ei, Pferd in der Lasagne oder Stroh im Brot, es ist eigentlich nicht das was man erwartet und schon gar nicht das was wir bestellt haben. Aus Profitgier nutzen die großen Nahrungsmittelhersteller immer mehr Tricks und ersetzen immer mehr teure, dafür natürliche Zutaten gegen synthetische oder billige Ersatzprodukte. Dabei müsste das eigentlich gar nicht sein.

Nach einer jüngst veröffentlichen Umfrage von Pricewaterhouse-Cooper (PwC) wäre sogar der sonst bei Lebensmitteln sehr preisbewusste Deutsche bereit mehr Geld für sein Essen auszugeben. Im Gegenzug muss er sich aber wieder auf das verlassen können was auf dem Teller liegt. Dabei spielen die Herkunft des Produkts und die Inhaltsstoffe die vorwiegende Rolle. Derzeit ist das Vertrauen in die Lebensmittelbranche jedoch weitestgehend verspielt.

Dabei wäre das Geheimnis so einfach! Schreibt alles was verwendet wird auf die Zutatenliste, kennzeichnet genveränderte Bestandteile, werbt nicht mit irgend einem Blödsinn, der entweder für das Produkt irrelevant ist oder letztendlich nicht stimmt. Seid einfach wieder ehrlich zu euren Kunden…

…eigentlich sollten sie König sein und nicht der Hofnarr!

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