Cannabis und Alkohol – Ein Vergleich zweier Volksdrogen

Mensch und Gesellschaft / 4.89/5 (38) für diesen Beitrag

Im Vergleich zu Cannabis ist Alkohol in unserer Gesellschaft vollständig akzeptiert. Der gemütliche Schoppen Wein kann genauso getrunken werden wie das Glas Bier zum Abendessen. Selbst wer täglich auf sein Magenbitter nicht verzichten mag, braucht gesellschaftliche Sanktionen nicht zu befürchten. Würde man sich hingegen zum abendlichen Fernsehen einen Joint genehmigen, so ist man nicht nur drogenabhängig, sondern zudem kriminell.

Man darf es nicht bestreiten, sowohl bei Cannabis, als auch bei Alkohol haben wir es mit Drogen zu tun. Ein übermäßiger Genuss kann zweifelsfrei auf beiden Seiten zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Warum aber ist die eine Droge in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die andere hingegen führt ein Leben im Schatten der Kriminalität? Dabei gäbe es zumindest aus medizinischer Sicht bestechende Gründe, die für eine freiere Handhabung von Cannabis-Produkten sprechen.

Das Suchtverhalten der Deutschen

Es ist nicht zu leugnen, die Deutschen lieben ihre Volksdroge Nummer eins. Um Alkohol werden Volksfeste gefeiert, welche jedoch für tausende Konsumenten im Krankenhaus enden. Allein 26.000 Kinder und Jugendliche gehören jährlich zu den Opfern von übermäßigem Alkoholkonsum. Ganz abgesehen von tödlichen Unfällen im Autoverkehr sterben hierzulande jährlich etwa 73.000 Menschen an den direkten Folgen von Alkohol. Das resultiert daraus, dass fast 10 Millionen Deutsche, also über 10 Prozent aller Bundesbürger, nach offiziellen Schätzungen Alkohol in gesundheitlich bedenklichen Mengen zu sich nehmen. Darunter befinden sich nach offizieller Statistik sogar 1,3 Million Alkoholabhängige.

Bedenkt man, dass Cannabis nur über einen Schwarzmarkt oder den illegalen Anbau erhältlich ist, so sind die Zahlen des Konsums durchaus beachtlich. Man geht gemäß vorsichtigen Schätzungen davon aus, dass 13 Millionen Deutsche bereits einmal in ihrem Leben Cannabis als Droge konsumiert haben. Im Verlauf eines Jahres konsumieren demnach knapp 3 Millionen Deutsche zum Teil regelmäßig Cannabis. Eindeutig zugewiesene Todesfälle aufgrund von Cannabis sind bisher jedoch nicht bekannt. Aus medizinischer Sicht ist es praktisch fast nicht möglich in so kurzer Zeit genug Wirkstoff aufzunehmen, so dass diese zum Tode führen könnten. Eine Untersuchung von schwedischen und amerikanischen Wissenschaftlern auf Basis von 100.000 Cannabis-Konsumenten zeigte ebenfalls, dass sich der Konsum nicht auf deren Todesraten auswirkte.

Risiken von Cannabis und Alkohol

Unbestritten haben aber sowohl Cannabis, als auch Alkohol negative gesundheitliche Auswirkungen auf unseren Körper. Ein übermäßiger Konsum sollte entsprechend auf beiden Seiten als bedenklich angesehen werden. Jedoch muss man auf die durchaus unterschiedliche Intensität der möglichen Nebenwirkung hinweisen.

Alkohol ist unbestritten tödlich! Die offiziellen Zahlen zeigen dies sehr deutlich. Darüber hinaus kann nachweisen, dass insbesondere bei Männern ein nicht unbeachtlicher Teil der Krebserkrankungen auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Zudem stehen unter anderem Bluthochdruck, Schlaganfälle und nicht zuletzt Leberschäden auf der Liste der möglichen negativen Auswirkungen.

Obwohl der Konsum von Cannabis nicht tödlich endet, kann nicht verschwiegen werden, dass auch hieraus gesundheitliche Risiken entstehen. Unter anderem sind hier Herz-Kreislauf-Probleme, Psychosen oder Lungenerkrankungen zu nennen.

Unser Körper stellt auch selbst Cannabinoide her. Diese werden als Botenstoffe in unserem Körper genutzt. Es gibt somit im Vergleich zu Alkohol keine Überdosis des Cannabis-Wirkstoffs THC. Alkohol hat in unserem Körper biologisch gesehen jedoch nichts zu suchen.

Gesundheitliche Vorteile von Cannabis und Alkohol

Die gesundheitlichen Vorteile von Cannabis sind inzwischen weitgehend bewiesen. Es wird bereits seit über 4000 Jahren medizinisch verwendet. Die ersten nachweisbaren Zeugnisse hierzu können auf etwa 2700 vor Christus datiert werden. Seit dem 19. Jahrhundert gilt es fast als Allheilmittel gegen Schmerzen, Schlaflosigkeit, Migräne oder Bronchialkrankheiten. Man geht heute sogar davon aus, dass es wirksam gegen Krebs, Alzheimer, Depressionen, Arthritis, Multiple Sklerose, Anorexie, Diabetes, Tourette, Osteoporose, Hepatitis und sogar HIV eingesetzt werden kann.

Sieht man sich die gesundheitlichen Vorteile von Alkohol an, so behaupten zwar immer wieder Studien, dass es welche gäbe. Diese gelten alle ausschließlich bei einem mäßigen Konsum. Insbesondere eine lebensverlängernde Wirkung wird dem Alkohol im Rahmen der Studien zugeschrieben. Allerdings haben kanadische Wissenschaftler herausgefunden, dass bei sämtlichen Studien, die einen mäßigen Alkohol als gesundheitsfördernd bezeichnet haben zum Teil grobe Fehler gemacht wurden. In der Regel wurden jene Menschen, die gerade keinen Alkohol trinken zu den Abstinenzlern gezählt, auch wenn diese grundsätzlich Alkohol tranken. Man hat sich die Mühe gemacht die falschen Abstinenzler aus insgesamt 87 Studien herauszurechnen. Die Ergebnisse zeigen nach der Bereinigung der Daten, dass nicht einmal moderates Trinken gesundheitliche Vorteile mit sich bringt.

Gesellschaftliche Konsequenzen von Cannabis und Alkohol

Unsere Rechtsprechung misst beim Vergleich von Cannabis und Alkohol mit zweierlei Maß. Wäre man Konsequent so müssten beide Drogen verboten sein. Während Alkohol jedoch deutlich schwerwiegendere Folgen nach sich ziehen kann, so stehen bei Cannabis-Produkten unbestritten gesundheitliche Wirkungsweisen zur Debatte, die man auf Seiten der Volksdroge Alkohol nicht ins Feld führen kann.

Dabei werden in Kombination mit Alkohol zahlreiche zum Teil schwere Straftaten begannen. Zahlen aus den USA ergeben, dass etwa 40 Prozent aller Gewaltverbrechen unter Einfluss von Alkohol geschehen. Darunter fallen auch 37 Prozent der Vergewaltigungen und über ein Viertel aller Fälle von Körperverletzung. Im Vergleich treten derartige Delikte unter dem Einfluss von Cannabis deutlich seltener auf.

Die meisten Straftaten, welche als Folge von Cannabis zu beobachten sind, beziehen sich auf den Handel und den Konsum. Allein in Deutschland werden 130.000 Straftaten diesbezüglich registriert, welche nahezu allesamt auf den Zustand des Verbots zurückgeführt werden können. Die damit verbundenen Kosten könnten in Folge einer Legalisierung von Cannabis eingespart werden und wären für die Suchtprävention wahrscheinlich deutlich effektiver ausgegeben. Aufgrund der Zahlen der regelmäßigen Konsumenten wird offensichtlich, dass ein Verbot von Cannabis definitiv nicht dazu führt den Konsum erheblich einzuschränken.

Verfügbarkeit und die Konsequenzen

Aus gesundheitlich Gründen ist vor allem ein Vergleich der Verfügbarkeit zwischen Alkohol und Cannabis höchst umstritten. Bereits für Jugendliche im Teenageralter stellt es kein Problem dar Alkohol in tödlichen Dosen zu kaufen. In der Regel reicht hierfür ein kurzer Gang in den örtlichen Supermarkt um die Ecke. Der Erwerb von Cannabis ist in der Regel jedoch nur über einen höchst undurchsichtigen Schwarzmarkt möglich.

Genau darin liegt die größte Gefahr für Cannabis. Die Folgen durch Verunreinigungen, welche sich aus den unkontrollierten Absatzwegen ergeben, sind deutlich höher zu bewerten als die eigentliche Substanz. Wäre, ähnlich dem Alkohol, der Bezug von Cannabis geregelt, so würden eindeutige Risiken genommen. Qualität und Absatz wären einer besseren Kontrolle unterzogen. Der Schwarzmarkt und damit die Kontakte der Konsumenten zu weiterführenden Drogen wären außerdem stark eingedämmt.

Seitens der Grünen ist diesbezüglich bereits eine Gesetzesinitiative ausgestaltet worden, welche einen durchaus sinnvollen Umgang mit Cannabis garantieren könnte. Bei einer vernünftigen Besteuerung, wie es auch bei Alkohol der Fall ist, könnten zudem die bisher bei den Produzenten und Dealern verbleibenden Gewinne der gesamten Volkswirtschaft zugeführt werden.

Fazit: Vergleich Cannabis und Alkohol

Während Alkohol als Droge deutlich verharmlost wird, ist die Justiz und die Öffentlichkeit bei Cannabis deutlich restriktiver eingestellt. Eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt ist nicht nur nicht tödlich, sie hat zudem ein weitreichendes Spektrum an gesundheitlichen Vorteilen, die in der Medizin genutzt werden könnten. Vielen Patienten blieben auf diesem Wege vor zum Teil erheblichen Nebenwirkungen von anderen Medikamenten verschont. Nichtsdestotrotz bleibt es sogar für diese Zwecke abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, verboten!

Betrachtet man den Vergleich zwischen Alkohol und Cannabis, so erscheint ein einseitiges Verbot von Cannabis als völlig irrational. Es ist unbestritten, dass beides gesundheitlich schädlich ein kann. Wäre man Konsequent sollte die gesellschaftliche Toleranz gegenüber Alkohol jedoch deutlich infrage gestellt werden. Meine anfängliche Frage, warum Cannabis verboten ist, muss entsprechend revidiert werden.

Warum ist Alkohol eigentlich erlaubt?

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6 Kommentare


  1. Inhaltlich ist an dem Text kaum etwas auszusetzen. Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist der Schluß, dass weil etwas Gesundheitsrisiken birgt, es auch verboten werden müsse. In unserem Rechtssystem ist die Selbstschädigung nicht verboten! Musste dann nicht erst Recht Rohrreiniger verboten werden, weil es ungesund ist ihn zu trinken. Wir dürfen Skifahren, Fallschirmspringen, Klettern und vieles mehr, dass mit Risiken verbunden ist. Handlungen, die unnötig sind und in teilweise sehr hohem Maße Gesundheitsrisiken bergen. Risiken kann man nur minimieren und zwar durch Aufklärung das Risikobewußtsein stärken!


    1. Mein Schluss, dass Alkohol verboten gehört, resultiert eher daraus, dass Cannabis verboten ist und im Sinne einer Gleichbehandlung dies eigentlich nur folgerichtig wäre. Letztendlich war es das Ziel die Argumentation einfach mal umzudrehen. Statt von Legalisierung kann man ja auch von einem Alkoholverbot sprechen, um wieder beides mit gleichem Maß zu messen. Niemand würde nämlich ernsthaft darüber nachdenken deutschlandweit Alkohol zu verbieten.

      Da Selbstschädigung in unserem Rechtssystem anscheinend nicht verboten ist, müssten wir die Sache eigentlich noch ein wenig weiter spinnen. Müssten folglich nicht ALLE Drogen erlaubt sein, egal wie stark? Auch das Anschnallen im Auto währe hinfällig, die Helmpflicht für Motorradfahrer obsolet und jeder dürfte in seinem Keller mit Sprengstoff experimentieren (so lange er keine anderen damit schädigt).

      Leider bin ich kein Jurist und kann dazu nur sagen was mir spontan einfällt. Warum Cannabis verboten und Alkohol erlaubt ist, ist anscheinend genauso widersprüchlich wie ein Recht auf Selbstschädigung gepaart mit einer Anschnallpflicht. Außer Frage steht jedoch, dass es durchaus sinnvoll ist, dass es so etwas wie eine Anschnallpflicht gibt 😉

      PS: Rohrreiniger sollte in meinen Augen aus ganz anderen Gründen verboten werden. Sie sind giftig und ökologisch höchst bedenklich und lösen kein Problem welches man nicht auch auf natürliche Weise mit einem „Bömbel“ (fränkisch) oder einer Spirale lösen könnte. Aber das nur am Rande 😉


  2. „…(Auch das Anschnallen im Auto währe hinfällig, die Helmpflicht für Motorradfahrer obsolet und jeder dürfte in seinem Keller mit Sprengstoff experimentieren (so lange er keine anderen damit schädigt).)…“
    Nunja…Unangeschnallte Menschen werden zu Geschossen, gefährden also auch andere, genauso wie Menschen, die mit Sprengstoff hantieren. Ein Drogenkonsument schadet direkt, körperlich nur sich selbst. Da finde ich den Vergleich unangebracht. Helmpflicht…wohl eher vergleichbar. Wenn man aber bedenkt, dass eine Legalisierung aller Drogen sinnvollerweise (wie von den Befürwortern gefordert) mit einer umfassenden Aufklärung und Qualitätskontrolle verbunden wäre, wäre das persönliche Risiko meiner Meinung nach selbst bei harten Drogen überschaubar. Ich selbst habe soziale Arbeit studiert und diesem Fachbereich überwiegen die Befürworter einer Totallegalisierung doch deutlich. Da dies aber ein komplexes, fachübergreifendes Thema ist, liegt die Lösungsfindung, Gott sei Dank, nicht nur bei einem wissenschaftlichen Fachbereich. Dieses Thema wird viele kluge Menschen noch eine lange Zeit beschäftigen so wie es aussieht.
    Was Cannabis angeht. Da ist eine Legalisierung längst überfällig. Ein Verbot ist kontraproduktiv in nahezu allen Belangen.
    Guter Artikel übrigens.


  3. Der Artikel ist gut geschrieben! Was mir aber fehlt sind die Quellen zu Studien oder Statistiken bezüglich der Zahlen und „Fakten“ die Sie genannt haben. Bei Artikeln müssen Quellenangaben verzeichnet sein, sonst sind diese Statistiken leider nichts wert!


  4. Für mich hat sich das Problem erledigt.
    Ich bin anerkannter Cannabis-Patient, bekomme mein Medikament also auf Rezept. Leider musste ich mich privat versichern und renne jedesmal der Erstattung hinterher. Ich habe sogar eine Bestätigung gemäß FeV Anlage 4 Punkt 9.6.2 (Fahreignung als anerkannter Cannabis-Patient). Für mich persönlich ist also alles in trockenen Tüchern.
    Seit ich Cannabis konsumiere habe ich mir mehr Gedanken über Alkohol gemacht. Diesen konsumiere ich nunmehr nur noch in Gesellschaft und in sehr geringen Mengen, also mal das Bier unter Freunden beim Grillen – und auch hier bevorzuge ich ein alkoholfreies Weißbier.
    Jetzt habe ich natürlich auch die Erfahrung gemacht, dass man Cannabis auch höher dosieren kann, als zur Schmerzlinderung nötig ist. Die Folge ist ein Rausch. Dieser ist mit einem Alkoholrausch nicht vergleichbar und vergleichsweise milde. Abhängig von Konzentration und Verhältnis der enthaltenen Cannabinoide THC und CBD ist man „high“ (was ich mit euphorisch, wach, aktiv, unternehmungslustig bezeichnen würde, oder „stoned“ (also eher entspannt und träge). Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und was sonst noch bei übermäßigem Alkoholkonsum auftreten kann sind mir mittlerweile fremd.
    „Kiffer“ sind zudem friedlicher und chilliger als „Säufer“. Treffen sich 5 Betrunkene gibt’s mit Sicherheit eine Schlägerei, treffen sich 5 Bekiffte, gründen sie eine Band.
    Ich bin für eine bedingungslose Legalisierung von Hanf, sowohl als Nutz- und Genußpflanze.
    Und was das Führen von Kfz betrifft kann ich nur anmerken, dass Cannabis einerseits zwar euphorisch, aber gleichzeitig auch vorsichtig macht. Im Gegensatz zum enthemmenden Alkoholrausch möchte man nach Cannabiskonsum erstmal kein Auto (etc.) fahren. Sind evtl. aufgetretene „Nebenwirkungen“ abgeklungen ist eine 100%-ige Fahrtüchtigkeit sofort wieder vorhanden. Das Schlimme ist nur, dass bei einem Patienten (=Dauerkonsumenten) der Pegel im Blut nicht (so schnell) wieder absinkt wie nach Alkoholkonsum. Kein Mensch verliert am Donnerstag seinen Führerschein, weil am vorangegangenen Sonntagabend seine letztes Bier hatte – ein Cannabiskonsument geht dann vmtl. 1 Jahr zu Fuß und anschließend zur MPU. Das muss ebenfalls geändert werden.

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