So viel sollten Lebensmittel tatsächlich kosten

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In jedem Supermarkt, egal ob groß oder klein, findet man eine Vielzahl tierischer Produkte: Ladeneigene Metzgereien bieten von Wurstwaren bis hin zu paniertem Grillfleisch alles an, während Joghurt, Milch oder Käse in unzähligen Variationen im Kühlfach zu finden sind. Zumeist sind die Preise für diese sogenannten Grundnahrungsmittel relativ überschaubar. Zwar schwanken die Fleisch- und Milchpreise immer wieder, dennoch sind besagte Produkte für den Endverbraucher stets erschwinglich.

Dass für diese Artikel, die am Ende in einer fein säuberlichen Verpackung im Regal stehen und für eine Handvoll Münzen zu erwerben sind, letztlich aber Tiere sterben müssen oder unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden, wird zumeist bewusst ausgeblendet. Dabei würde es sich durchaus lohnen, die Preise diverser Lebensmittel an den dadurch produzierten, allgemeinen Umweltschaden anzupassen. Genau dieses Prozedere haben Wissenschaftler der Universität Augsburg durchgerechnet und sind dabei zu erstaunlichen aber erwartbaren Ergebnissen gekommen.

Darum müsste Fleisch, Käse und Co teurer sein

„Umweltschäden finden aktuell keinen Eingang in den Lebensmittelpreis. Stattdessen fallen sie der Allgemeinheit und künftigen Generationen zur Last“, bemängelt der Wirtschaftsinformatiker Tobias Gaugler. Mit seinem Team berechnete er im Auftrag der Rewe-Gruppe für 16 Eigenmarken-Produkte der Handelskette die wahren Herstellungskosten. Dabei wurden die aktuellen Herstellungskosten, die Auswirkungen der bei der Produktion entstehenden Treibhausgase sowie die Folgen der Überdüngung und der benötigte Energiebedarf berücksichtigt. Die Folgekosten des Antibiotika-Einsatzes in der Tierzucht fließen unterdessen nicht mit ein, da man diese Zahlen nicht genau genug beziffern könne.

Die sonst nutzbaren Umstände haben eine dennoch immense Auswirkung auf die Preise verschiedener tierischer sowie pflanzlicher Produkte. Den Forschern zufolge müsste Fleisch aus konventioneller Aufzucht demnach preislich um 173 Prozent steigen. Rechnet man diese Zahlen um, würde eine halbes Kilogramm gemischtes Hackfleisch künftig 7,62 Euro statt bislang 2,79 Euro kosten. Aber auch auf Milchprodukte hätte eine Berücksichtigung versteckter Kosten enorme Ausmaße: Milch wäre 122 Prozent teurer, Gouda-Käse 88 Prozent und Mozzarella immer noch 52 Prozent. Im Vergleich: Die Kosten für unterschiedliches Obst und Gemüse würden lediglich um maximal 19 Prozent steigen. Biofleisch hingegen stiege bei einer Realisierung der neuen Berechnungen um ganze 126 Prozent, also „nur“ 47 Prozent weniger als Fleisch aus konventioneller Aufzucht.

Müssen wir in Zukunft mehr für tierische Produkte bezahlen?

Zwar sind diese Zahlen auf dem Papier erschreckend hoch, mit einer komplett neuen Berechnung der Handelspreise wird aber allem Anschein nach sehr vorsichtig umgegangen. Die Rewe-Gruppe möchte dennoch auf die Thematik und das Problem der versteckten Kosten aufmerksam machen, für die sie selbst mitverantwortlich sind. In Berlin sollen deswegen bei der Neueröffnung eines Nachhaltigkeitsmarktes der hauseigenen Discountkette Penny bei acht Produkten die „wahren Preise“ neben dem standardmäßigen Preisschild auftauchen. Zum Beispiel bei H-Milch wird neben den aktuellen 79 Cent auch der „wahre Preis“ 1,75 Euro zu sehen sein. „Wir müssen dazu kommen, die Folgekosten unseres Konsums sichtbar zu machen“, sagt Rewe-Topmanager Stefan Magel zu dieser Aktion.

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