Warum backen wir zur Weihnachtszeit eigentlich Plätzchen?

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Weihnachten ist eine Zeit, der Ruhe und Besinnlichkeit. Wir freuen uns auf die vielen bunten Weihnachtsmärkte und die Geselligkeit. Was wir aber auch instinktiv schon mit der Weihnachtszeit verbinden sind Plätzchen!

Als Kind haben wir es geliebt den Plätzchenteig zu rollen und auszustechen. Zwischendurch wurde bereits ordentlich davon genascht. Dann kamen sie in den Backofen und das ganze Haus hat herrlich nach Weihnachten gerochen. Anschließend (meine Mama wird sich sehr gut erinnern, weil wir immer eine riesige Sauerei gemacht haben) kam das Beste. Wir durften die Plätzchen nach Lust und Laune dekorieren. Ob mit Zuckerguss, Schockstreusel, Nüssen oder Zuckerperlen, jedes Plätzchen war ein Einzelstück.

Aber woher kommt eigentlich der Brauch zu Weihnachten Plätzchen zu backen?

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es wohl nicht, zumindest haben wir sie nicht gefunden. Dieser Weihnachtsbrauch hat sich aber wohl aus einer Kombination verschiedener Gegebenheiten ergeben.

Hier eine Auswahl der Geschichten über die Herkunft unserer Plätzchen zu Weihnachten, die man sich so erzählt. Jeder kann ja gerne dann diejenige weiter erzählen, welche ihm persönlich am besten gefallen hat.

Plätzchen als Arme-Leute-Essen

Früher, im Mittelalter, war es für die Menschen gar nicht so einfach über den Winter zu kommen. Sie waren arm und mussten von dem leben, was sie über den Sommer an Vorräten zurückgelegt hatten. Kühlschränke gab es ja keine. So wurde Sauerkraut eingekocht, Obst getrocknet, Kartoffeln eingelagert, Mehl gedroschen und Fleisch gepökelt. Nur durch verschiedene Konservierungsmöglichkeiten konnten Lebensmittel haltbar gemacht werden.

Nichtsdestotrotz war der Winter eine Zeit vieler Entbehrungen. Es galt also, wie bei den Tieren, sich über den Sommer schon ein paar Fett-Reserven für den Winter anzufressen, um nicht zu dünn zu werden.

Kekse und Plätzchen sind recht lange haltbar und enthalten viel Fett. Es war also ein ideales Winteressen.

Plätzchen waren Gaben an die Armen

Die zweite Geschichte, welche sich um die Herkunft der Plätzchen zur Weihnachtszeit rankt, hat ihren Ursprung ebenfalls im Mittelalter. Zu dieser Zeit waren Zucker und auch Gewürze sehr teuer, sodass es sich nicht viele leisten konnten.

In den wohlhabenden Klöstern wurde allerdings jedes Jahr zur Weihnachtszeit der Geburt Jesu gedacht und zu diesem Anlass köstliche Plätzchen gebacken. Damals war es noch harte Arbeit alle Zutaten für die Plätzchen herzustellen, es gab ja keine Maschinen.

Plätzchen waren also etwas Besonderes. So verteilten die Mönche in den Klöstern die Plätzchen zur Weihnachtszeit an die Armen, um ihnen ein bisschen Freude zu bereiten.

Plätzchen als Opfertiere für Geister

Für die dritte Geschichte, welche sich um die Plätzchen zu Weihnachten rankt, müssen wir noch weiter zurückgehen und zwar schon in eine Zeit vor Christi Geburt. Damals lebten hierzulande die Germanen, für welche die Wintersonnenwende ein ganz besonderes Ereignis war. Dabei handelt es sich um die längste Nacht des Jahres. Jedes Jahr findet dieses Ereignis in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember statt. Ab dann wurden die Nächte wieder kürzer und die Tage wieder länger.

Die lange Dunkelheit sorgte bei den Menschen damals für viel Sorge und Angst, wahrscheinlich auch durch die lange Kälte. Deshalb glaubte man früher, dass besonders zu dieser Zeit die Welt von Geistern heimgesucht wird und sich diese über die Tiere hermachen. Um die eigenen Tiere zu schützen, wurden zur Winterzeit die Tiere aus Teig nachgebildet und den Geistern geopfert.

Dies könnte auch eine Erklärung dafür sein, dass wir bis heute zur Weihnachtszeit unsere Plätzchen in Form von Tieren backen.

Plätzchen für christliche Stempel

Vielleicht haben unsere Weihnachtsplätzchen aber auch einen christlichen Hintergrund. Am Ende einer jeden Messe wird vom Pfarrer das gesegnete Brot an die Gemeinde verteilt. Dieses wurde über die Jahre nach und nach veredelt und als Zeichen der Göttlichkeit mit einem christlichen Stempel versehen. So fand sich darauf ein christliches Symbol.

Die Mönche und Nonnen in den Klöstern machten sich zu Weihnachten die Arbeit diese noch weiter zu dekorieren und haben somit die Plätzchen wie wir sie kennen erfunden.

Plätzchen zum Tee

Für die letzte Geschichte über den Ursprung unserer Plätzchen brauchen wir gar nicht so weit in die Vergangenheit reisen. Da gab es natürlich schon Plätzchen, aber sie waren noch nicht so beliebt wie sie heute sind.

Unsere Reise geht zurück ins 18. Jahrhundert. Die Welt rückte durch die Seefahrer immer enger zusammen. So war es nicht verwunderlich, dass wir neben den Waren auch Sitten und Gebräuche anderer Länder übernahmen. Besonders angetan hat es uns (wie auch heute noch) der Tee und der Kaffee. Diesen Brauch haben wir im restlichen Europa von den Briten abgeschaut. Traditionell werden dort Kekse und Plätzchen zum Tee serviert. Das setzte sich dann auch bei uns durch. So kreierten wir die verschiedensten Sorten: Spitzbuben, Vanillekipferl oder den Butterkeks. Es war wohl der Beginn des Plätzchenbackens für jedermann… nicht nur zu Weihnachten.

Welche Plätzchen-Geschichte ist die richtige?

Warum es jetzt wirklich Plätzchen zu Weihnachten gibt, kann wohl keiner mit Sicherheit beantworten. Ich finde es ist ein wunderschöner Brauch, der vor allen den Kindern sehr viel Freude bereitet. Vermutlich liegt die Wahrheit über die Entstehung der Plätzchen ein bisschen in allen Geschichten.

Wenn ihr noch weitere Geschichten um unsere Weihnachtsplätzchen kennt, dann schreibt uns. Wir sind immer wieder gespannt und neugierig unsere Bräuche rund um unser Essen kennenzulernen.

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