Wie unser Unterbewusstsein unser Essverhalten beeinflusst

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Entscheidungen, Entscheidungen, den ganzen Tag treffen wir Entscheidungen. Meist unterbewusst aber insgesamt so um die 20.000 mal am Tag. Dabei hat sich gezeigt, dass schnelle Entscheidungen glücklicher machen, als stetes langes Abwägen zahlreicher Alternativen. Und nur etwa ein Prozent unserer Entscheidungen haben mit Essen zu tun, und die sollte man zumindest teilweise bewusst angehen.

Evolution beim Essen

Was essen wir wo, wann und wie viel? Vieles davon ist uns in dem Moment in dem wir es tun eigentlich gar nicht bewusst. Es geschieht aus Gewohnheit heraus, weil wir es von unseren Eltern gelernt haben oder es einfach immer schon so machen. Meist sind es Automatismen, die uns unsere Entscheidungen abnehmen. Die Macht der Gewohnheit ist stark und lässt sich auch evolutionär erklären. Als Mensch sind wir einfach keine Koalas, die sich stets vom Selben ernähren. Eukalyptus Tag ein Tag aus wäre auch etwas langweilig. Der Mensch sticht gerade dadurch heraus, dass er auf verschiedenste Nahrungsmittel zurückgreifen kann. Das Überleben unserer Art ist dadurch entsprechend stark geprägt worden. Als eine der wenigen Arten ist es uns möglich in sehr unterschiedlichen Klima- oder Vegetationszonen zu überleben. Egal ob im fast durchgehend mit Eis bedeckten Regionen der Arktis oder in den heißen Wüsten dieser Erde, der Mensch versteht es sich entsprechend anzupassen und dort zu überleben.

Koala

Folglich war es für unsere Vorfahren überlebenswichtig Informationen über Ernährung weiterzugeben. Man vertraut auf bewährtes,es ist unterbewusst das Richtige – nicht giftig oder auf irgendeine andere Art und Weise ungenießbar. Wenn wir heutzutage in den Supermarkt gehen entscheiden wir uns zwar oftmals erst kurzfristig vor Ort was wir kaufen, aber wenn man genauer drauf achtet, liegen eigentlich immer in etwa dieselben Artikel im Einkaufskorb. Die Macht der Gewohnheit, die Macht des Unterbewussten. Dabei handelt es sich nur ein Schutz der Natur vor eventuell unbekömmlichen Nahrungsmitteln. „Was der Bauer net kennt, frisst er net!“ Diese alte Bauernweisheit rührt genau daher, dass wir lieber auf Bekanntes zurückgreifen. Untersuchungen haben gezeigt, dass gerade Menschen, die sehr stark an einen Ort gebunden sind auch entsprechend unflexibel in ihrem Essverhalten sind. Wer viel in anderen Ländern oder Städten unterwegs ist muss sich quasi – ob er/sie will oder auch nicht – mit Neuem beschäftigen und auch alternative Lebensmittel zu sich nehmen.

Unterbewusst mehr essen

Wo sich noch sehr gut zeigt, dass wir unser Essverhalten stark unterbewusst steuern ist bei der Portionsgröße. Das Experiment kann man auch leicht zu Hause nachstellen. Gibt man zweimal die selbe Menge an Essen auf zwei unterschiedlich große Teller, so würden die meisten zum kleineren Teller greifen, da dieser vermeintlich mehr enthält. Verschenkt man im Kino Popcorn in verschiedenen Größen, so würden die meisten unterbewusst zur größeren Packung greifen. Im Zweifel auch dann, wenn man eigentlich weiß, dass es zu viel für einen selbst ist, es einem anschließend schlecht ist und man unnötig vollgefressen aus dem Kinosaal kommt. Unterbewusst ist mehr aber trotzdem besser!

In der heutigen Gesellschaft ist es gar nicht mehr so einfach sich unterbewusst gesund zu ernähren. Die Nahrungsmittelunternehmen wissen um unsere Sehnsüchte und Essgelüste und sie wissen auch sehr gut mit diesen zu spielen. Wir werden unterbewusst fast dazu gezwungen zur bunten Packung mit Süßigkeiten zu greifen. Bunt ist besser als einfarbig! Unsere Wahrnehmung verbindet damit eine größere Vielfalt an wichtigen Nährstoffen und wir greifen etwas tiefer in die Packung.

Chips

Zucker ist ohnehin gut, es schmeckt süß und macht glücklich. Wer will denn nicht glücklich sein. Bei Babys kann man diesen Test sehr gut machen. Gibt man ihnen etwas Süßes werden sie es lieben, gibt man ihnen etwas Bitteres verziehen sie das Gesicht. Süß gibt Energie und hilft uns beim Wachsen, bitter hingegen steht oftmals auch für ungenießbar oder sogar giftig.

Gerne auch die größere Packung! Man könnte Chips auch in kleinen Tüten verkaufen ohne dabei weniger Inhalt zu bieten. Warum sollte man das aber machen? Was größer ist, da ist auch mehr drinnen und somit auch besser. Wir greifen unterbewusst auf jeden Fall zur größeren Verpackung, wahrscheinlich auch dann wenn wir wüssten, dass genauso viel darin ist wie bei einem vergleichbaren Produkt. Man musste extra Gesetze dafür schreiben, damit Verpackungen im Verhältnis zu ihrem Inhalt nicht ins uferlose wachsen. Aber unterbewusst wollen wir es nicht anders.

Ernährung ist Prestige und Status

Essen ist Prestige! Portionsgrößen zeigen Wohlstand! Unterbewusst auf jeden Fall, auch wenn das bei einer normalen Befragung wahrscheinlich niemand zugeben würde. Gerade in den aufstrebenden asiatischen Ländern gilt die Körperfülle als Statussymbol. Wer dick ist kann sich entsprechend auch mehr Essen leisten. Vielleicht auch besonders viel Fleisch, was es ja traditionell in China beispielsweise nur sehr wenig gab.

In den westlichen Industrienationen hat sich das zugegebenermaßen wieder umgekehrt. Aufgrund einer durchgehend zunehmenden Körperfülle gilt besonders schlank als entsprechend erstrebenswert. Meist ist leider ungesunde und dickmachende Nahrung deutlich günstiger als gesundes Essen. Deshalb leiden auch eher niedrigere Einkommensschichten an den Folgen von Übergewicht oder sogar Fettleibigkeit.

Aber auch bei uns ist Essen eine Prestigefrage. Gerade Frauen bestellen sich in Gemeinschaft mit anderen Frauen eher einen Salat oder „etwas Leichtes“. Zu Hause ist das aber oftmals schnell wieder egal und die Schokolade kommt auf den Tisch. Der Teller wird auch nicht ganz leer gegessen, um zu zeigen, dass man sich unter Kontrolle hat und sehr bewusst essen kann. Zu Hause darf man auch gerne mal den Teller ablecken wenn es besonders gut gewesen ist. Unterbewusst würden wir uns auch gerade in der kalten Jahreszeit eher für etwas deftiges entscheiden, da der Körper uns Signale sendet: „Draußen ist kalt, ich brauche Energie um mich zu wärmen, greife doch lieber zu dem Schweinebraten!“.

Heute ist bewusst fast gleich gesund

Nachdem wir aus den Zeiten der Mangelernährung doch zumindest der Mitte des letzten Jahrhunderts erfolgreich entkommen sind ist es gar nicht mehr so einfach sich gesund und maßvoll zu ernähren. Es gibt alles und das überall und unbegrenzt! Die Spezies Mensch kennt diese Situation aber leider erst seit sehr kurzer Zeit und unser Unterbewusstsein täuscht sich somit noch viel zu oft – oder besser gesagt lässt sich täuschen.

Veganer Fleischersatz – Tofu, Seitan & Co.

Sich unterbewusst, quasi instinktiv gesund zu ernähren ist gar nicht mehr so einfach bis eigentlich unmöglich geworden. Deshalb sollten Entscheidungen die um unser tägliches Essen gehen doch eher bewusst getroffen werden. Die Verlockungen sind viel zu groß geworden. Man muss sich immer häufiger bewusst gegen etwas entscheiden, als sich einfach nur in den Süßigkeitenbergen zu vergraben oder in den Milchseen zu schwimmen.

Aber jetzt kommt die gute Nachricht zum Schluss: Wer sich eine Zeit lang bewusst für gesunde und maßvolle Kost entscheidet ist immer noch ein Gewohnheitstier. Man kann sich somit auch an gesundes und maßvolles Essen gewöhnen und dann dauerhaft unterbewusst richtig essen.

Einfach anfangen – man gewöhnt sich dran!

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