Qualitätsmängel bei echter Vanille

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Vanille gehört mit ungefähr 60 Euro pro hundert Gramm zu den teuersten Gewürzen, die es auf dem Markt gibt. Trotzdem ist der hohe Preis kein Garant für Qualität. Im Gegenteil: Experten vermuten darin einer der Ursachen für die weit verbreiteten Mängel. Das soll sich jetzt wieder ändern.

Wenn der Preis die Qualität bestimmt

Vanilleeis ohne Vanille, das war vor einigen Jahren noch der Status Quo. Denn häufig enthielt es einfach nur billiges Vanille-Aroma. Mittlerweile werben die Hersteller damit, dass ihr Produkt „echte“ Vanille enthält: Bourbon-Vanille sogar! Doch dieses Nachrüsten hat vermutlich seinen Preis, denn die Nachfrage nach echter Vanille ist gestiegen. Vanille ist allerdings kein Lebensmittel, dass man einfach in Massen produzieren kann. Die Herstellung benötigt Zeit. In Madagaskar gedeiht die Orchideen-Gattung Vanilla besonders gut. Aus dieser wird die Vanille gewonnen.

Etwa vier Fünftel des süßlich schmeckenden Gewürzes auf dem Weltmarkt, hat seinen Ursprung in dem afrikanischen Inselstaat. In einem aufwendigen Verfahren werden hier aus den Schoten der Pflanze, durch Fermentation in luftdichten Behältern, Vorstufen des kostbaren Vanillins in Vanille umgewandelt. Bis zu vier Wochen kann dieser Vorgang dauern. Selbsterklärend, dass sich aus einem lokalen Anbauprodukt mit einem solch zeitintensiven Produktionsprozess kein Massenprodukt machen lässt. Aufgrund der hohen Nachfrage, werden die Preise immer weiter in die Höhe getrieben. Eine Naturkatastrophe hat den Preis von etwa 100 Euro pro Kilo auf jetzt 600 Euro pro Kilo ansteigen lassen. Doch die Anteile in den Gewürzprodukten oder fertigen Lebensmitteln an „echter“ Vanille werden seitdem immer weiter gedrückt. Die Ernten werden verfrüht eingeholt. Alles zu Lasten des Geschmacks.

Drohen Sommer ohne Vanille-Eis?

„Hochwertige Vanille ist nicht mehr zu bekommen“ stellt der Hamburger Vanille-Großhändler und Importeur Bernd Hachmann traurig fest. Die Kunden hätten seit sechs bis sieben Jahren keine gute Vanille mehr gesehen. Um das Qualitätsproblem in den Griff zu bekommen, hat Madagaskar bereits mit Exporteinschränkungen reagiert. Wenn nicht ausreichend gereifte Kapseln geerntet werden, darf die Vanille nur mit der Erlaubnis eines speziellen Ministeriums ausgeführt werden. Bisher hatte das keinen großen Einfluss auf den deutschen Markt. Wir müssen also auch in Zukunft wahrscheinlich nicht auf unser Vanille-Eis verzichten.

Daran arbeitet präventiv auch ein niederländischer Wissenschaftler. Filip van Noort von der Universität Wageningen plant den kommerziellen Anbau von Vanille in Gewächshäusern. Gibt es dann bald nicht nur die sprichwörtlichen Tomaten, sondern auch Vanille aus den Niederlanden? Einen Namen hat der findige Wissenschaftler schon: Nedervanille soll irgendwann einmal zu einem Qualitätssiegel werden. Doch zuvor müssen sich noch ausreichend Geldgeber für sein ehrgeiziges Projekt finden. Bis die Nedervanille verkaufsfertig ist hoffen wir, dass die Experten Recht behalten und wir auch in Zukunft nicht auf dieses leckere und zurecht wertvolle Gewürz verzichten müssen.

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