Wann wird Erdnussbutter endlich verboten?

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Manchmal lässt sich an der deutschen Rechtsprechung einfach nur zweifeln. Meist stehen hinter fragwürdigen Urteilen jahrelange Lobbyarbeit. Eines jener Urteile, welches zum Köpfschütteln einlädt, wurde am 14. Juni 2017 am Europäischen Gerichtshof gefällt.

Laut diesem besagten Urteil dürfen die Begriffe „Joghurt“, „Milch“, „Käse“ oder auch „Butter“ nur noch für Produkte aus der „normalen Eutersekretion“ von Tieren hergenommen werden. Leider wird bei dem Urteil mit zweierlei Maß gemessen. Dabei sollte es Abmahnanwälte freuen, denn durch dieses Urteil wären ihnen Tür und Tor geöffnet.

Nicht alle sind vor dem Gesetz gleich

Leider trifft es meist nur die Hersteller von veganen Produkten. So dürfen beispielsweise Hersteller von veganem Käse laut dem Oberlandesgericht Celle in der Tat nur noch mit dem sperrigen Begriff „Vegane Alternative zu Käse“ verwenden. Falls es sich um veganen Reibekäse handelt, so muss die Bezeichnung „Vegane Alternative zu Käse in Reibeform“ verwendet werden. Somit wird es den betroffenen Unternehmen unmöglich gemacht normal für ihre Produkte zu werden. Jegliche Werbetexte verkommen unweigerlich zur Farce.

Wer sich nicht daran hält, der bekommt Post von der „Wettbewerbszentrale“. Das klingt zwar nach einen offiziellen Behörde, ist jedoch nichts weiter als ein Verein, der im Auftrag seiner Mitglieder andere Unternehmen abmahnt und mit horrenden Strafforderungen überzieht.

Was wenn Recht für alle gilt?

Wenn wir aber in einer derart übertrieben korrekten Gesellschaft wohnen, warum steht dann noch Erdnussbutter im Supermarktregal und warum enthält jede Schokolade immer noch Kakaobutter?  Meine Badfliesen werden immer noch mit Scheuermilch geputzt und beim Metzger gibt es tatsächlich noch Leberkäse zu kaufen.

Wo bleiben die Abmahnanwälte, wenn die Fleischindustrie Teewurst und Bierschinken an den Mann bringen (Teewurst enthält genauso wenig Tee wie Bierschinken Bier). Wo bleibt der Verbraucherschutz wenn in Leberkäse weder Leber noch Käse zu finden ist?

Wenn es um übersichtliche Nährwertangaben in Form des Nutri Scores geht, dann wird immer auf die Mündigkeit des Verbrauchers verwiesen, wenn es aber an das eigene Geschäft der eingefleischten Milchwirtschaft geht, dann kann man gar nicht vorsichtig genug mit möglichen Verbrauchertäuschungen umgehen.

Es lebe der vernünftige Menschenverstand

Lasst uns Konsequent sein. Statt Leberkäse gibt es dann halt nur noch gewürzte Fleischreste und Erdnussbutter darf künftig ausschließlich als Erdnussmatsche verkauft werden. Wenn wir das aber nicht wollen, dann gehen wir einfach mit vernünftigem Menschenverstand an die Sache und veganer Käse darf wieder als solcher bezeichnet werden. In der Tat schmeckt er nämlich nach Käse, er verhält sich wie Käse bei der Zubereitung und er schaut auch so aus. Einziger Unterschied, er ist nicht aus Milch hergestellt. Warum darf er denn dann nicht einfach veganer Käse heißen?

Da fällt mir doch zuletzt noch eine Twitterperle ein, die ich letzte Woche gelesen habe. Dort wird gefordert, dass man manche Politikern besser als Lobbyisten bezeichnen sollte, man könnte sonst Leute verwirren, die eigentlich Politiker wählen wollten.

In diesem Sinne: Mehr Menschenverstand wagen!

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