Kartoffeln pflanzen und ernten

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Was der Apfel beim Obst ist, das ist die Kartoffel beim Gemüse. Sie ist unser beliebtestes Gemüse in Deutschland. Deshalb haben wir uns auch schon intensiv mit ihr auseinandergesetzt. Ich werde deshalb im Laufe des Textes immer wieder weiterführende Links einbauen, wo du dich zu bestimmten Themen rund um die Kartoffel näher informieren kannst. Klick einfach darauf, wenn dich ein Thema näher interessiert. So werde ich zum Beispiel hier nicht mehr großartig auf die Herkunft der Kartoffel  (<– Link) eingehen und mich auf das Pflanzen von Kartoffeln im eigenen Garten konzentrieren.

Kartoffeln pflanzen

Vor nur wenigen Jahrzehnten war es noch Gang und Gäbe, dass in den ländlichen Gegenden Kartoffeln im Garten angepflanzt wurden. Danach flaute sich der Wunsch nach dem eigenen Garten und somit auch der heimische Kartoffelanbau etwas ab.

Die liebe zum Gärtnern und damit auch zur Kartoffel erlebt gerade eine kleine Renaissance. Immer mehr Menschen wünschen sich wieder eigenes Obst und Gemüse, bei dem sie sich sicher sein können wo und wie es angebaut wurde. Damit beim Kartoffel pflanzen auch alles funktioniert gibt hier eine kurze Anleitung:

  • Kartoffeln vorkeimen: bevor die Kartoffeln gepflanzt werden, können diese bis zu 6 Wochen vorkeimen. Damit kann die Ernte um 2 bis 3 Wochen vorgezogen werden. Zum Vorkeimen brauchen die Knollen Licht, Trockenheit und zwischen 10 und 15 Grad.
  • Kartoffeln pflanzen: April und Mai, sobald kein Frost mehr zu erwarten ist
  • Pflanztiefe: etwa 10 cm. Beim Vorkeimen mit dem Austrieb nach oben.
  • Standort: gerne sinnig oder Halbschatten
  • Bodenbeschaffenheit: leichte bis mittelschwere Böden ohne Staunässe
  • Keimtemperatur: ca. 8 Grad
  • Abstand: je nach Kartoffelsorte zwischen 25 cm und 35 cm innerhalb der Reihen und die einzelnen Reihen mit einem Abstand zwischen 40 cm und 70 cm

Tipp 1: Den Abstand zwischen den Pflanzen und Reihen wirklich einhalten, dann werden die Knollen größer
Tipp 2: Wenn es die Möglichkeit gibt der Kartoffel durch Vorkeimen mehr Keimzeit zu verschaffen, dann ist das zu empfehlen. Dadurch werden die Pflanzen nicht nur früher erntereif, sondern auch gesünder und nicht so anfällig für Krankheiten.

Kartoffeln anhäufeln und somit Ertrag steigern

Um den Ertrag zu steigern kannst du deine Kartoffeln alle 2 bis 3 Wochen anhäufeln. Dazu nimmst du die Erde rechts und links der Pflanzen, lockerst diese auf und streichst sie in Richtung deiner Pflanzen. Dadurch entstehen mit der Zeit die für Kartoffelfelder typischen Hügelreihen. Damit verhinderst du auch, dass die jungen Kartoffelknollen durch das Sonnenlicht grün werden.
Dieser Vorgang wird dann solange wiederholt werden, bis die Pflanze zum blühen anfängt oder euer Hügel etwa 30 cm hoch ist.

Tipp: Wenn nach dem Kartoffeln pflanzen noch einmal Frost gemeldet ist und schon ein bisschen Grün aus dem Boden schaut, kannst du dieses auch komplett anhäufeln und deine kleinen Pflänzchen so vor Frost schützen. Wenn die Blätter erfrieren, ist es zwar möglich, dass die Pflänzchen weiter wachsen, sie sind jedoch in ihrer Entwicklung deutlich geschwächt und auch anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.

Alternativen zum Anhäufel

Die eben beschriebene Methode des Anhäufelns ist die gängige Art und Weise, wie sie üblicherweise angewandt wird. Es gibt aber zwei weitere Varianten bzw. Alternativen, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

  • Alternative 1: Hierbei handelt es sich um eine ganz andere Art und Weise Kartoffeln zu pflanzen. Diese werden hier lediglich auf die Erde gelegt und anschließend mit einer mindestens 20 cm dicken Mulchschicht bedeckt. Damit verbunden sind einige Vorteile. Durch die Mulche kann auf das Anhäufeln komplett verzichtet werden und man spart sich somit viel Arbeit. Außerdem werden durch das Zersetzen der Mulche ausreichend Nährstoffe abgegeben, das Leben von Bodenorganismen wird gefördert und die neue Erde die sich bildet ist luftig und locker – eben ideal für den Kartoffelanbau.
  • Alternative 2: Nach dem Ausbringen der Kartoffeln werden die Pflanzreihen mit einer schwarzen Folie abgedeckt. Lediglich für die Pflanzen werden Schlitze geschnitten. Dadurch wird Unkraut fern gehalten und der Boden erhitzt sich und schafft eine perfekte Temperatur zum wachsen. Darüber hinaus hält sich unter der Folie auch bei längeren Trockenperioden ausreichen Wasser, sodass wir die Kartoffeln nicht gießen müssen.

Kartoffeln düngen und gießen

Neben dem Anhäufeln ist der Kartoffelanbau mit recht wenig Pflege verbunden.

  • Kartoffeln gießen: Wenn es ab Mitte Mai zu längeren Trockenheit kommt, dann sollte auf jeden Fall gegossen werden
  • Kartoffeln düngen: vor dem Pflanzen Kompost unter den Boden mischen oder im Herbst vorher mit Mist düngen

Kartoffeln ernten

  • Ernte bei Frühkartoffeln: Eine alte Bauernregel besagt, man kann Frühkartoffeln ernten, sobald diese das blühen beginnen. Allerdings gibt es heute viele neue Kartoffelsorten, die zum Teil gar nicht mehr richtig blühen. Deshalb trifft diese einfache Regel nicht mehr ganz zu. Deshalb gilt es heute etwa 10 bis 12 Wochen nach dem Kartoffel pflanzen, vorsichtige „Ausgrabungen“ vorzunehmen und zu schauen, ob die Knollen schon schön groß sind. Mit etwas Geschick lassen sich auch einzelne große Knollen entnehmen, sodass der Rest weiter wachsen kann.
  • Ernte bei mittelfrühen Kartoffeln: Bei mittelfrühen Sorten sind die Blätter ein gutes Indiz, um die Erntereife festzustellen. Meist färben diese sich im Laufe des August gelb und können dann ausgegraben werden. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann auch hier „Probebohrungen“ vornehmen.
  • Ernte bei späten Kartoffelsorten: Späte Sorten können bis in den Herbst hinein im Boden bleiben. Oft kommt es hier zu Krautfäule, bevor diese ganz reif sind. Deshalb sind späte Kartoffelsorten für den heimischen Garten, in dem du sicherlich ohne Pflanzenschutzmitteln arbeiten möchtest, eher weniger geeignet.

Wichtiger Hinweis: Bei der Ernte immer darauf achten, dass du wirklich alle Kartoffeln (auch die kleinen) mit aus dem Boden holst. Verbleiben diese im Beet, stören sie den nächstjährigen Kartoffelbestand. Zudem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und Schädlingsbefall.

Kartoffeln lagern

Kartoffeln lassen sich sehr gut und auch wirklich lange lagern. Dafür brauchen sie aber die richtigen Bedingen.

So sollten Kartoffeln gelagert werden:

  • Nach dem Ernten die Kartoffeln für zwei bis drei Stunden zum trocknen in die Sonne legen
  • In einem dunklen Raum lagern, weil die Knollen bei Sonnenlicht das Keimen beginnen
  • Beschädigte Knollen nicht mit ins Lager legen, sondern direkt was leckeres mit den Kartoffeln kochen
  • Die ideale Lagertemperatur für Kartoffeln ist 5 Grad
  • Der Lagerraum sollte nicht zu trocken aber auch nicht feucht sein
  • Den Lagerbestand regelmäßig auf faulende oder schimmlige Knollen prüfen und diese aussortieren, bevor sie die anderen Kartoffeln „anstecken“

Das solltest du nicht machen:

  • Vor dem Kartoffeln lagern das kurze Trocknen nicht vergessen, da diese sonst schimmeln können
  • Vor der Lagerung auch nicht mit Wasser abspülen, auch wenn diese voll mit Erde sind. Besser ist es diese kurz trocknen zu lassen und dann die trockene Erde abzubürsten. Durch die Feuchtigkeit können die Kartoffeln sonst sehr schnell schimmeln und die ganze Ernte ist verloren.

Geeignete Lager für Kartoffeln:

  • dunkler und kühler Kellerraum
  • frostfreie Erdmiete
  • Gemüsefach vom Kühlschrank (einige Wochen)

Kartoffeln vertikal anpflanzen (vertical gardening)

Vertical gardening ist seit einigen Jahren schon ein Trend bei vielen Hobbygärtnern. Gerade wenn es an ausreichend Platz für große Beete mangelt ist das sehr sinnvoll. Als Alternative zur Kübelbepflanzung und Anbau auf dem Balkon hat es sich somit durchgesetzt.

Es lassen sich nach dem vertical gardening Prinzip auch Kartoffeln pflanzen. Dabei übernimmst du vom Grundgedanken her den Trick mit dem „Kartoffeln anhäufeln“ zur Ertragssteigerung. Ich möchte hier zwei Möglichkeiten vorstellen, einmal für eine und einmal für drei Kartoffelpflanzen:

  • 1 Pflanze: Diese Variante ist zum Beispiel für die Kübelbepflanzung von Kartoffeln auf dem Balkon sehr gut geeignet. Du brauchst dafür einen großen Pflanzenkübel mit mindestens 50 cm Durchmesser und 50 cm Höhe. Zudem braucht dieser Kübel Löcher auf der Unterseite, damit es nicht zur Staunässe kommt und die Kartoffeln faulen. Haben wir den richtigen Kübel ausgewählt, füllen wir diesen mit 15 cm bis 20 cm Erde auf legen eine Kartoffel in die Mitte und bedecken diese wieder mit etwa 10 cm Erde. Darin kann jetzt die Pflanze wachsen. Nur an Stelle des Anhäufelns geben wir jetzt immer wieder 5 cm bis 10 cm neue Erde hinzu, bis der Kübel voll ist oder wir die Kartoffeln ernten können. Gerade beim Anbau im Kübel trocknet die Erde sehr schnell aus, deshalb hier an heißen Tagen die Kartoffelpflanze täglich gießen.
  • 3 Pflanzen: Vom Prinzip funktioniert die Variant für drei Kartoffelpflanzen sehr ähnlich, nur in etwas größerer Form. Hierfür nehmen wir einen Kaninchendraht und bauen damit ein „Gehege“ bzw. einen Ring mit einem Durchmesser von etwa 120 cm auf. Dahinein legen wir unsere Kartoffeln in einem Dreieck, sodass diese jeweils etwa 60 cm Abstand voneinander haben und bedecken diese mit 10 cm Erde. Auch hier füllen wir das Gehege immer etwas weiter auf, sobald die Zeit reif ist die Kartoffeln anzuhäufeln.

Diese Methode Kartoffeln zu pflanzen spart nicht nur viel Platz. Du wirst auch von der Ernte begeistert sein, wenn du wirklich regelmäßig frische Erde nachfüllst.

Kurzer Überblick über die verschiedenen Kartoffelsorten

Die Auswahl an unterschiedlichen Sorten ist riesig. Ganz genau beziffern lässt sich das überhaupt nicht mehr, aber Biologen gehen von weltweit über 2000 unterschiedlichen Kartoffelsorten aus. Bei uns im Handel finden sich aber nur 5 bis 10 verschiedene Varianten. Das liegt daran, dass nur Sorten, die in der Bundessortenliste vom Bundessortenamt stehen, hierzulande als Saatgut verkauft werden dürfen. Da hier das Zulassungsverfahren sehr aufwändig ist und zudem die Zulassung nach 30 Jahren erlischt, verschwinden nach und nach viele alte Sorten, welche dem Industriestandard nicht genügen aus dem Handel. Denn für kleine Betriebe, welche gerne alte Sorten weiter handeln möchten ist dieses Prozedere zu teuer und zu aufwendig.

Zur Unterscheidung der Sorten gibt es zwei unterschiedliche Kriterien. Zum einen unterscheiden wir mehlig kochende, vorwiegend festkochende und festkochende Sorten. Den Unterschied macht hier der Stärkegehalt der Kartoffelsorte. Je weniger Stärke darin enthalten ist, umso fester ist die Kartoffel nach dem kochen.

Das zweite Unterscheidungsmerkmal richtet sich nach deren Erntezeit. Hier werden „sehr frühe Sorten“ (z.B. Solist, Gloria und Rosara), „frühe Sorten“ (z.B.  Cilena, Sieglinde oder Karlena), „mittelfrühe Sorten“ (z.B. Agria, Granola oder Nicola) sowie „mittelspäte und späte Sorten“ (z.B. Bamberger Hörnchen, Aula oder Arran Victory) unterschieden. Dieses Kriterium ist das entscheidende, wenn wir Kartoffeln pflanzen möchten. Deshalb ist bei der Aussaat auch immer auf spezifischen Eigenschaften der jeweiligen Kartoffelsorten zu achten.

Hier auch ein kurzes Video, welches einen Überblick über den Kartoffelanbau und verschiedene Kartoffelsorten bietet.

Kartoffel in der Küche

Nachdem wir uns ausgiebig mit dem Pflanzen von Kartoffeln auseinandergesetzt haben, möchte ich auch noch kurz auf die Verwendung in der Küche eingehen. Auch hier gibt es wieder die detaillierteren Informationen über die weiterführenden Links.

Das es sich um einen Mythos handelt, dass Kartoffeln dick machen, dass hat sich mittlerweile rumgesprochen. Vielmehr haben sich zahlreiche Kartoffelgerichte bei unterschiedlichsten Diäten etabliert. Wichtig ist die richtige Portionsgröße pro Person, weil man sich gerade bei Kartoffeln schnell verschätzen kann, vor allem, wenn du für mehrere Personen kochen willst. Die Zubereitung ist nicht nur sehr einfach, sondern es gibt auch nahezu unendlich viele Rezepte mit der Kartoffel.  Damit die auch immer alle perfekt funktionieren findest du hier eine Anleitung wie lange Kartoffeln kochen müssen, damit sie dir immer perfekt gelingen.

Du kannst aber auch Kartoffeln roh essen, hier ist aber unbedingt Vorsicht geboten, da in rohen Kartoffeln giftiges Solanin enthalten. Im gekochten Zustand ist sie aber in jedem Fall sehr gesund und kann mit einer Vielzahl von Inhaltsstoffen von sich überzeugen.

Wer von euch jetzt hunger auf tolle Kartoffelgerichte bekommen hat, dem empfehle ich sich auch einmal abseits von den Klassikern, wie Kartoffelsalat, Bratkartoffeln und Kartoffelsuppe umzuschauen. Interessant und mal ganz anders schmeckt etwa der Kartoffelauflauf mit Wakame.

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